Fritz Wepper : "Ich lache immer an Stellen, an denen die meisten nicht lachen"

Ein Gespräch mit dem Schauspieler Fritz Wepper über Komödie und Küssen, Bürgermeister Wöller und Pamela Anderson.

Wepper
Archivbild mit dem unlängst verstorbenen Horst Tappert aus dem Jahr 1973. -Foto: dpa

Herr Wepper, „Um Himmels Willen“ ist ein unglaublicher, beinahe schon unheimlicher Erfolg. Haben Sie je damit gerechnet?



Nein, das hat keiner auch nur ahnen können. Man konnte davon ausgehen, dass bei so guten Büchern, wie sie Michael Baier liefert, die Resonanz positiv sein würde. Aber wissen, nein.

Die Serie scheint Ihnen einen Heidenspaß zu machen.

Es macht mir unglaublichen Spaß. Es gibt nicht den kleinsten Stinkstiefel im Team. Gäbe es einen, gnade ihm Gott oder der Wöller. Alle hören einander zu, auch mit den Augen. Und ich als Bürgermeister Wöller kann mich schon gar nicht beklagen. Als Spruchbeutel kann ich mich richtig austoben.

Sie sind der komödiantische Hauptdarsteller. Was genau ist Komik?

Die Engländer sagen, das Komische sei ein todernster Job. Mein großes Vorbild ist allerdings ein Amerikaner, Walter Matthau. Bei dem hat man immer das Gefühl, der sei schon todernst auf die Welt die gekommen. Komik ist schon eine komische Sache. Wer es mit der Methode „Hoppla, jetzt komm ich“ versucht, der wird garantiert auf die Nase fallen. Es braucht eine gewisse Distanz.

Es gibt Komiker, die ihr Heil in der gnadenlosen Übertreibung suchen.

In letzter Konsequenz geht es um Glaubwürdigkeit. Wenn ich spiele, spiele ich gewissermaßen den Alltag der Menschen nach. Wir reden so wie der Nachbar oder der Kollege. Ich mache nichts anderes als das, was viele Menschen aus ihrem Alltag kennen. Der Alltag hat so viel Charme, da ist unglaublich viel Komik drin. Ich bin wie ein Schwamm. Man muss nur ein bisschen drücken und schon kommt etwas raus. Kleinigkeiten sind wichtig. Neulich sollte ich den Satz sagen „Sie verkennen den Ernst der Lage“. Ich habe daraus gemacht „Sie kennen die Lage vom Ernst nicht“. Das ist zwar nur Schnickschnack, aber es wirkt. Nie die Figur verraten, nie die Situation verlassen, das ist das Geheimnis.

Der Herr Wöller, einer wie wir.

Ich glaube schon. Die Figur hat etwas Befreiendes. Wöller steht stellvertretend für alle Gemobbten und Unterdrückten. Er sagt und macht, was viele in der Realität auch gern mal machen würden. Charakterlich nicht immer einwandfrei, aber was soll’s. Das schafft Identifikation. Deshalb mögen die Leute diesen Wöller.

Ist das Komische wirklich das Schwerste, wie es immer wieder gesagt wird?

Das habe ich so noch nicht gehört. Ich kenne nur, Lachen ist schwieriger als Weinen. Aber es könnte was dran sein. Eine Wahrheit charmant und komisch rüberzubringen, das ist eine Begabung oder eine Fertigkeit, ohne die es, glaube ich, nicht funktioniert.

Dreißig Jahre lang der Harry vom Horst und ab 2002 Bürgermeister Wöller. Es hat ganz schön lange gedauert, bis Ihr komisches Talent entdeckt wurde.

Mord ist kein Geschäft, das gut mit Komik harmoniert. Da war nicht viel Platz für Komödiantentum. Auf der Bühne durfte ich aber immer schon komisch sein. Mein Talent ist also nicht wirklich verkannt worden. Aber man braucht eine Chance, um zeigen zu können, was man kann.

Wer hat Ihnen die Chance gegeben?

Was „Um Himmels Willen“ angeht, war das Regisseur Uli Stark. Ich kannte ihn von der Serie „Zwei Brüder“ her, die ich mit meinem Bruder Elmar gemacht habe. In einer dieser 17 Folgen hatte Uli Stark eine humorige Idee, die ich dann umgesetzt habe. Da haben wir beide gemerkt, dass wir einen sehr ähnlichen Humor haben. Das hat dazu geführt, dass Uli Stark gesagt hat, entweder ihr nehmt den Wepper als Wöller oder ich mache nicht mit.

Je älter Sie werden, desto komischer werden Sie. Passt das?

Das passt. Wenn ich heute drehe, dann bin ich total entspannt. Natürlich geht es nicht ohne eine gewisse Spannung, die man ganz einfach in sich haben muss. Aber der blanke Ehrgeiz, der viele treibt, ist ein falscher Berater. Das Publikum merkt, wenn ein Schauspieler der Beste sein möchte und sonst gar nichts. Gute Laune kann man auch nicht spielen, die muss man haben. Und wir haben gute Laune. Wir mögen uns, wir haben Spaß zusammen, das ist entscheidend, ganz entscheidend. Und man muss offen sein, auch und gerade in seinem privaten Leben. Ich lebe, ich habe Freunde, mir macht das Leben Freude.

Was findet einer komisch, der selbst komisch ist? Oder finden Sie nur sich selbst wirklich komisch?

Um Gottes willen! Ich finde tausend Dinge komisch, aber am allerwenigsten mich selbst. Wirklich komisch finde ich Clowns im Zirkus. Ich lache immer an Stellen, an denen die meisten nicht lachen. Meine Tochter ist immer die Einzige, die mit mir lacht, weil sie es komisch findet, dass ich lache, wenn sonst keiner lacht. Und dann lachen plötzlich alle mit, einfach weil Lachen ansteckend ist. Und plötzlich ist da eine Riesenstimmung. Ich kann mich da kaputtlachen.

Comedians, die neuen Komödianten, räumen ab wie verrückt. Finden Sie die komisch?

Ich finde es manchmal imponierend, wie frech die sind. Wenn dann auch noch Intelligenz dazu kommt, Respekt. Aber was ich überhaupt nicht mag, das sind Witze über Minderheiten oder Rand gruppen. Da hört bei mir jeder Spaß auf.

Pamela Anderson hat sich bei ihren Brüsten für die Karriere bedankt, die sie machen durfte. Finden Sie das komisch?

Das finde ich witzig.

Wo wir gerade bei den Frauen sind: Sie haben den Ruf, ein unheimlich guter Küsser zu sein. Stimmt das?

Ich küsse gerne. Aber leider kann man nicht jeden küssen. Die Chemie muss stimmen.

Was ist so toll daran, fremde Menschen zu küssen?

Nicht fremde. Liebe! Ich habe mal vier Stunden durchgeküsst. Am Stück. Das war unvergesslich. Aber es war nicht mein Arzt.

Wer war es dann?

Nicht die Frage ist indiskret, sondern die Antwort. Aber so viel kann ich Ihnen verraten: Es ist ein paar Jahrzehnte her.

Das Interview führten Thomas Eckert und Joachim Huber.

„Um Himmels Willen – Weihnachten in Kaltenthal“, ARD, 20 Uhr 15

Fritz Wepper, 1941 in München geboren, hatte bereits als 18-Jähriger in dem Kinofilm „Die Brücke“ (1959) seinen ersten großen Erfolg. Mit „Cabaret“ (1972) bot sich eine internationale Karriere an, doch Wepper entschied sich fürs deutsche Fernsehen: Er war erst Assistent des „Kommissars“ (1968 bis 1974) und dann Assistent von „Derrick“ (1974 bis 1998). Mit seinem Bruder Elmar spielte er in der Krimireihe „Zwei Brüder“, ehe Fritz Wepper mit der ARD-Serie „Um Himmels Willen“ endgültig und erfolgreich ins komödiantische Fach wechselte.

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