Medien : Früher ins dritte Drittel

Eckart Lottmann

Peter Joppich, der blonde Koblenzer, focht gestern mit dem Florett gegen den Koreaner Byung Chul Choi. Zwei gut aussehende, kräftige Burschen, nur die Florette (Floretts?) sahen etwas kümmerlich aus. Mehr wie zwei dünne Drähte, die sich schon unter ihrem eigenen Gewicht durchbogen. Kein Vergleich zu den Schwertern, die die Helden in „Herr der Ringe“ mit sich trugen. Na egal, dachte ich. Auf ein Zeichen griff Joppich an, die Florette sausten durch die Luft, dann hielten sie plötzlich still, und der Reporter gab bekannt, dass Joppich getroffen hätte. In der Wiederholung sah ich nichts außer den zwei Körpern, die sich in Zeitlupe ineinander wanden. Weiter: Losrennen, Rumfuchteln und Anhalten. Punkt für Joppich.

„Er stellt die Linie“, meinte Reporter Norbert König feierlich, „ausgestreckter Arm, hat dies wohl auch rechtzeitig getan nach Meinung des Obmannes, bekommt daher den Treffer zugesprochen.“ Die Linie gestellt? Welche Linie? Wieder rannten die beiden aufeinander zu, diesmal prallten sie heftig mit den Oberkörpern gegeneinander. Wieso dürfen die das?, überlegte ich. „Das sind so ein bisschen die jungen Wilden“, meinte der Reporter väterlich, „ungestüm, mit einer ganz eigenen Art zu fechten, nicht mehr die klassische Schule.“ Trotzdem, dachte ich, dürfen die deshalb rempeln, wie es ihnen passt?

Inzwischen hatte Peter Joppich einen beruhigenden Vorsprung, es begann das zweite Drittel dieses Kampfes. Nun blieb Joppich einfach stehen. Der Koreaner traute sich nicht richtig ran. Es wurde langweilig. Wegen der Passivität der Kämpfer beendeten die Schiedsrichter dieses zweite Drittel vorzeitig und starteten das dritte Drittel. Eine tolle Regel, finde ich. Die man auch auf manche Bundesligaspiele anwenden sollte. Wegen augenkundiger Passivität beider Mannschaften wird die Halbzeitpause schon nach 25 Minuten angeordnet – das würde Furore machen! Ja, es bringt doch immer was, sich mal eine andere Sportart anzutun.

Übrigens: Joppich gewann ungefährdet.

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