Frühschoppen : Mongolei statt Ukraine

Statt der einordnenden Diskussion beispielsweise über die Friedensverhandlungen von Minsk läuft um 12 Uhr ein Reisebericht über die Mongolei.

von
Phoenix-Programmchef Michael Hirz
Phoenix-Programmchef Michael HirzFoto: PHOENIX/Christian Marquardt

Wenn im Ersten wie an diesem Sonntag der „Presseclub“ einem wichtigen Sportereignis weichen muss, springt für gewöhnlich der Ereignis- und Dokumentationskanal Phoenix mit dem „Internationalen Frühschoppen“ ein. An diesem Sonntag trifft der Wintersport jedoch nicht auf die internationale Journalistenrunde. Statt der einordnenden Diskussion beispielsweise über die Friedensverhandlungen von Minsk oder die EU-Verhandlungen mit Griechenland läuft auf Phoenix um 12 Uhr unter dem Titel „Ostwärts – mit dem Rucksack der Sonne entgegen“ ein Reisebericht über die Mongolei.

Hintergrund ist das Sparprogramm, das sich der Sender Mitte 2014 verordnet hat, und das wegen des noch fehlenden Jahresabschlusses auch noch in den ersten Monaten dieses Jahres gilt. „Dass wir gerade in dieser Woche auf den Frühschoppen verzichten müssen, tut uns besonders weh“, sagte Phoenix-Programmgeschäftsführer Michael Hirz dem Tagesspiegel. Hirz gehört zu den regelmäßigen Moderatoren der Diskussionsrunde, die sich aus Journalisten aus verschiedenen Ländern zusammensetzt. Die Sendung war 1953 von Werner Höfer ins Leben gerufen worden und wird seit 2002 unter diesem Namen auf Phoenix ausgestrahlt.

Vor dem Hintergrund der Sparanstrengungen habe derzeit jedoch die Ereignisberichterstattung Priorität, erläutert Hirz. So wurde in den vergangenen Wochen unter anderem wegen der Krise in der Ukraine das Programm des Senders kurzfristig geöffnet. Dies belaste den Etat des Sender zusätzlich. Zum Ausgleich habe man sich entschieden, an diesem Karnevalssonntag auf eine selbstproduzierte Gesprächssendung wie den „Internationalen Frühschoppen“ zu verzichten, so Hirz. „Das ist keine Premiere und hat es zu Karneval oder an Ostern auch schon in den Vorjahren gegeben“, sagte der Programmgeschäftsführer. Ob der „Frühschoppen“ auch an anderen Sonntagen pausieren muss, hängt vom endgültigen Jahresabschluss für 2014 ab.

Der Jahresetat von Phoenix als öffentlich-rechtlichem Gemeinschaftsprogramm von ARD und ZDF beträgt derzeit 18 Millionen Euro. Zum Vergleich: Das neue Studio von „Tagesschau“ und „Tagesthemen“ hat rund 25 Millionen Euro gekostet.

Autor

6 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben