Führungsstreit : Neuer Machtkampf beim „Spiegel“

Die Mitarbeiter KG hat dem Geschäftsführer Mario Frank ihr Misstrauen ausgesprochen. Gruner und Jahr dagegen will seinen Mann im Amt halten.

Sonja Pohlmann

Beim „Spiegel“ scheint sich ein neuer Machtkampf anzubahnen. Gruner + Jahr (G + J), mit 25,5 Prozent Mitgesellschafter des „Spiegel“-Verlags, will sich dem Votum der Mitarbeiter KG entgegenstellen und Geschäftsführer Mario Frank im Amt halten. „Mario Frank genießt unser volles Vertrauen und steht in keiner Weise zur Disposition“, teilte G+J-Vorstandschef Bernd Kundrun gestern mit. Der „Spiegel“ sei unter der Leitung von Frank im Verbund mit der neuen Chefredaktion mit Mathias Müller von Blumencron und Georg Mascolo sehr erfolgreich. „Die Frage nach einem Wechsel in der Geschäftsführung des ,Spiegel‘ stellt sich daher nicht“, so Kundrun. Die Mitarbeiter KG habe den Verlag auch gar nicht darüber informiert, dass sie Frank am Freitag das Misstrauen ausgesprochen habe, sagte ein G+J-Sprecher.

Damit ist eine neue Führungsdebatte im „Spiegel“ entfacht – und dabei geht es nicht nur um Franks Position, vielmehr um den Einfluss, den G+J beim „Spiegel“ hat und den sich der Verlag nicht durch eine Neubesetzung der Geschäftsführung nehmen lassen will. Denn Frank ist ein ehemaliger G+J-Mann. Bevor er Anfang 2007 zum „Spiegel“ wechselte, managte er das G+J-Blatt „Sächsische Zeitung“. Und genau darin sehen viele „Spiegel“-Mitarbeiter das entscheidende Problem: Frank sei in erster Linie noch immer um das Wohl von G+J bemüht, heißt es aus Redaktionskreisen. Sein Handeln sei vor allem darauf ausgerichtet, für G+J einen möglichst großen Gewinn zu erzielen.

So habe Frank beispielsweise dem Spiegel-Verlag die unprofitable „Financial Times Deutschland“ zusprechen wollen, die zuvor G+J und dem britischen Konzern Pearson gehörte. Die Mitarbeiter KG verweigerte die Zustimmung, G+J hat die „FTD“ inzwischen komplett übernommen. Kürzlich habe Frank versucht, eine Anzeige in das Inhaltsverzeichnis setzen zu lassen, das beim „Spiegel“ als unantastbar für Werbekunden gilt. Als die Chefredaktion sich weigerte, habe er diese als arrogant bezeichnet, heißt es aus der Redaktion. Vor allem aber wird Frank dafür verantwortlich gemacht, dass die Ablösung des Chefredakteurs Stefan Aust unglücklich verlief. Frank selbst bezeichnet sich als „Mann der Mitarbeiter KG“ und soll gestern in der Konferenz Unverständnis für das ausgesprochene Misstrauen geäußert haben. Er wolle weiter im Amt bleiben.

Die Fronten im „Spiegel“ sind damit verhärtet. Die Mitarbeiter KG kann Frank nur ablösen, wenn G + J zustimmt. Das Votum der Augstein-Erben, die mit 24 Prozent am „Spiegel“ beteiligt sind, tut nichts zur Sache. Dass G+J sich so vehement für Frank ausspricht, scheint die Mitarbeiter KG zu überraschen. Doch vermutlich fühlte sich G+J von der Mitarbeitervertretung übergangen. Noch am vergangenen Mittwoch sei Frank bei der „Spiegel“-Gesellschafterversammlung entlastet worden, das Misstrauen sei ihm erst am Freitag nach einer Sitzung der Mitarbeiter KG ausgesprochen worden.

Der Verlag G+J scheint jetzt seine Muskeln spielen lassen zu wollen. Und sei es nur, um sich bei der Neubesetzung der Geschäftsführung einen großen Einfluss zu sichern. Denn am Wochenende war Franks Stellvertreter Matthias Schmolz als Nachfolger gehandelt worden. Er ist ein „Spiegel“-Mann. Mitarbeiter KG und G+J werden nun schnell ins Gespräch kommen müssen, um die Wogen beim „Spiegel“ wieder zu glätten.

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