Medien : Fünf goldene Ringe

Zu niedrig: IOC lehnt Offerte von ARD/ZDF für Olympia 2014 und 2016 ab / Privatsender skeptisch

Joachim Huber
242910_0_9c58fc3b.jpeg
Es war einmal ... da posierten Johannes B. Kerner (v. li.), Lina Ma, Katrin Müller-Hohenstein und Nikolaus Brender für Olympia im...

Dabei sein ist alles, heißt das Motto der olympischen Bewegung. Sehr hehr, aber bei den Fernseherlösen für die olympischen Spiele gilt längst ein anderes – mehr, mehr, mehr. Über 620 Millionen Euro sind dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) jedenfalls nicht genug. So viel soll die Europäische Rundfunkunion (EBU) für die TV-Rechte an den Olympischen Winterspielen 2014 und an den Sommerspielen 2016 geboten haben, 40 Millionen Euro als für das Rechtepaket 2010 und 2012.

Das IOC hat die Offerte als zu niedrig abgelehnt, erwartet werden Einnahmen zwischen 800 und 900 Millionen Euro für die Europa-Rechte, und verhandelt nun parallel mit Rundfunkverbänden, Sportrechteagenturen und einzelnen Sendern. IOC-Sprecherin Emmanuelle Moreau sagte, das Verfahren der Rechtevergabe sei „fair und offen“. In der Türkei und in Italien hat das IOC bereits Verträge mit Pay-TV-Sendern von Rupert Murdoch geschlossen. Es gebe weitere Einzelverhandlungen in europäischen Ländern. Zugleich betonte Moreau, das IOC freue sich auf die Fortsetzung der „loyalen und konstruktiven Partnerschaft“ mit der EBU bei den Spielen 2010 und 2012 .

Die EBU hatte seit 1956 stets den Zuschlag für die Übertragung der Spiele erhalten, ARD und ZDF hatten seitdem immer übertragen. Bei den Reaktionen auf die Absage der IOC-Offerte herrscht Enttäuschung vor. ARD-Programmdirektor Volker Herres sagte: „Die hohen finanziellen Forderungen des IOC haben uns schon sehr überrascht – wir halten die Erwartung für überzogen. Nun werden wir abwarten, wie das IOC hinsichtlich der Rechtevergabe entscheiden wird.“ ZDF-Chefredakteur Nikolaus Brender äußerte „große Zweifel, dass durch Einzelverkäufe in den Ländern mehr Geld erwirtschaftet werden kann“. Die Entscheidung verkenne außerdem, dass die in der EBU zusammengeschlossenen öffentlich-rechtlichen Sender Europas immer dafür gesorgt hätten, dass die Spiele ein größtmögliches Publikum gehabt hätten und der Sport in seiner ganzen Breite abgebildet worden sei. „Wie auch immer“, sagte Brender, „bis 2014 ist es noch lange hin.“ Da werde es noch viele Gespräche geben. Noch weiß keiner, auch nicht das IOC, wie viele Sender in Deutschland an einem Olympia-TV Interesse zeigen werden. Die Privatstationen Pro Sieben Sat 1 und RTL sind von der Entwicklung nicht so begeistert, dass sie sich sofort um die Olympia-Rechte bewerben. Grundsätzliches Interesse sei da, sagte RTL-Sprecher Matthias Bolhöfer, kein Interesse, sagte Julian Geist, Sprecher für ProSieben Sat 1.

In Deutschland wäre eine ausschließliche Übertragung der Spiele im Pay-TV wie Premiere nicht möglich. Laut Rundfunkstaatsvertrag müssen Großereignisse wie Olympische Spiele oder Fußball-Weltmeisterschaften zumindest teilweise auch auf einem Free-TV-Sender zu sehen sein, der in mehr als zwei Dritteln der Haushalte zu empfangen ist. Dies kann ein öffentlich-rechtlicher oder ein privater Fernsehanbieter sein.

„Wir sind bis an die Grenze der Möglichkeiten unserer Mitglieder gegangen. Mehr war nicht drin und ist nicht drin“, betonte der scheidende EBU-Präsident Fritz Pleitgen. Er verwies auf die hohe technische und redaktionelle Qualität der Sportübertragungen öffentlich-rechtlicher Sender. Pleitgens ab 2009 amtierender Nachfolger Jean-Paul Philippot sagte, die weltweite Finanzkrise mache nicht bei Free-TV-Sendern halt. Sie wirke sich auch auf den Wert von TV-Sportrechten aus. Das EBU-Gebot für 2014 und 2016 markiere den „maximalen Preis“.

Die Winterspiele 2014 werden im russischen Sotschi stattfinden. Der Austragungsort der Sommerspiele 2016 wird im kommenden Herbst zwischen Chicago, Tokio, Madrid und Rio de Janeiro ausgewählt. Joachim Huber

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben