Medien : Für ein paar Euro mehr

Der Spielfilmsender Kabel 1 macht auf Kultur und restauriert zwei Italo-Western von Sergio Leone

Andreas Kötter

Gerne schmücken sich gerade die privaten Fernsehsender damit, dass sie ihrem Publikum großes Hollywood-Kino bieten. ProSieben spricht dann von „Entertainment XXL“, Sat.1 vom „FilmFilm“ und RTL vom „Kino-Highlight“.

Die Realität aber sieht meist anders aus. Häufig schnipseln die Programm-Macher an den ihnen anvertrauten Kino-Schätzen so lange herum, bis ein paar Minuten mehr an Werbung möglich sind; davon, dass der Abspann, eigentlich originärer Bestandteil jedes Films, grundsätzlich amputiert wird, soll erst gar nicht die Rede sein.

Umso erfreulicher ist es, wenn ein Sender einmal den umgekehrten Weg geht und sich verdient macht um die Restaurierung eines Klassikers. Wie Kabel 1, das mit seiner erfolgreichen Marke „Die besten Filme aller Zeiten.“ ein Versprechen abgegeben hat und dies nun mit den als „Dollar-Western“ in die Filmgeschichte eingegangenen Sergio-Leone-Streifen „Für ein paar Dollar mehr“ (von 1965, heute um 20 Uhr 15) und „Für eine Handvoll Dollar“ (von 1964, 29. Mai, 22 Uhr 20) auch einlöst. Gemeinsam mit Leones einige Jahre danach entstandenem Jahrhundertwerk „Spiel mir das Lied vom Tod“ bildeten sie die Speerspitze des Italo-Westerns, befruchteten auch den traditionellen amerikanischen Western und führten diesen mit Sam Peckinpahs „The Wild Bunch“ noch einmal zu später Blüte. Der Sender zeigt beide Filme in den von Sergio Leone edierten Ur-Fassungen, die so in Deutschland noch nie zu sehen waren.

Weil man ursprünglich einige Szenen als „zu brutal“ und andere als „zu lang“ empfunden hatte, wurden die Filme von den damaligen Verleihern noch vor der FSK-Vorlage „und damit vor jeglicher öffentlichen Präsentation“ geschnitten und verändert. Jetzt sind sie erstmals wieder in ihrer Originallänge zu sehen und damit sechs („Für eine Handvoll Dollar“) respektive sogar 14 Minuten („Für ein paar Dollar mehr“) länger als die bisherigen Fernseh- und Kinoversionen. Geleistet hat dies Virgilio Iafrate, Spielfilmredakteur bei ProSieben, das zur selben Senderfamilie gehört wie Kabel 1 und Sat 1. „Schon als Jugendlicher haben mich Italo-Western fasziniert“, so Iafrate.

„Umso schmerzlicher war es, als ich später feststellen musste, dass dieses Sub-Genre wie nur wenig andere unter schweren Verstümmlungen zu leiden hatte“, so auch die beiden „Dollar-Western". Der Aufwand, der betrieben werden musste, um die ursprünglichen Fassungen wieder herzustellen, war beträchtlich. „Wir haben die italienische, die englische und die deutsche Fassung synchron auf drei Bildschirmen laufen lassen und miteinander verglichen“, erklärt der Spielfilmexperte. „So konnten wir die fehlenden Szenen identifizieren und dann ergänzen, bei ,Für ein paar Dollar mehr’ auch die mit dem fantastischen Showdown in einer Kirchenruine.“ Damit allerdings war die Arbeit noch nicht getan, zudem musste noch nachsynchronisiert werden. Dieses Engagement dürfte Kabel 1 einiges gekostet haben. Zahlen mag Iafrate zwar keine nennen, sagt aber, dass er etwa ein halbes Jahr mit der Restaurierung beschäftigt war. „Es geht doch um Filmkultur, da greift ein ausgewiesener Spielfilm-Sender wie Kabel 1 durchaus auch mal in die Tasche.“

Eigentlich müsste den Filmexperten schmerzen, dass man die Filme nicht in der chronologisch korrekten Reihenfolge ausstrahlt. „Aus Jugendschutzgründen war das leider nicht anders zu machen“, sagt er. „Ich sehe das auch nicht als so tragisch an, jeder Film funktioniert auch sehr gut für sich selbst genommen.“

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