Medien : Für Liebhaber der Weltmusik

Christoph Singelnstein

Seit dem Jahreswechsel sendet das Funkhaus Europa auf der Frequenz 96,3 MHz sein Programm für Migrantinnen und Migranten und für Menschen, die sich für die damit im Zusammenhang stehenden Themen interessieren. Die Liebhaber der Weltmusik werden hier genau das finden, was sie mögen: Musik von allen Teilen des Erdballs. Ich bin sicher, dass die 45 000 Hörerinnen und Hörer, die bisher Radio Multikulti gehört und geschätzt haben, im Funkhaus Europa das meiste von dem entdecken werden, woran sie gewöhnt sind.

Für den RBB war der Verzicht auf Multikulti eine bittere Entscheidung. Anders als Henryk M. Broder im Tagesspiegel schrieb, geschieht dies nicht, um die Renten für ARD-Mitarbeiter zu bezahlen. Da sind in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Gewerkschaften Lösungen erarbeitet worden, die Einsparungen im zweistelligen Millionenbereich möglich gemacht haben. Zusätzlich zu den 100 Millionen Euro, die der RBB seit seiner Fusion strukturell gekürzt hat, übrigens ganz ohne Entlassung und bisher ohne programmliche Einschränkungen.

Wir wollen mit den uns zur Verfügung stehenden Gebühreneinnahmen so viel Programm anbieten wie nur irgend möglich, denn das schulden wir den drei Millionen Gebühren zahlenden Radionutzern in der Region, und es entspricht unserem Selbstverständnis als Journalistinnen und Journalisten. Wir sind ausgesprochen froh, dass der WDR uns sein Funkhaus Europa zur Verfügung stellt. Denn so gelingt es uns, das Spektrum an unterschiedlichen Programmen in der gleichen Breite anbieten zu können wie bisher. Das wäre bei alternativen Programmkürzungen so nicht möglich gewesen. Wer wollte ernsthaft bestreiten, dass es wichtig ist, ein solches Programm gerade auch in Berlin auszustrahlen. Nur, auch unsere anderen Programme, von Inforadio bis Radio Eins, von Kulturadio bis Radio Berlin, von Fritz bis Antenne Brandenburg, erfüllen ihren Auftrag und sind – so hoffen wir – unentbehrlich für die Region.

Ich wünsche dem Funkhaus Europa eine ebenso emotionale Verwurzelung in Berlin, wie sie Radio Multikulti erlebt hat. Christoph Singelnstein, RBB-Hörfunkdirektor

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