Medien : Für Nachtwächter

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Tom Peuckert verrät, was Sie nicht verpassen sollten

Diese Kolumne ist den Schlaflosen gewidmet. Den einsamen Helden unfreiwilliger Nachtwachen. Was tun, wenn Morpheus seine Gefälligkeiten verweigert? Wenn nach Mitternacht im Fernsehen nur noch Recycling-Schleifen laufen und auch die besten Freunde nicht mehr ans Telefon gehen? Dann tröstet uns das Nachtprogramm im Kulturradio. Neonfarbene Hörspiele und Features im Mondlicht. Fünf nach Zwölf wird beim Deutschlandradio (UKW 89,6 MHZ) die „WerkStatt“ eröffnet. Von Sonntag bis Freitag gibt es einstündige Sendungen, jede Nacht gehört einem anderen Genre. Von essayistisch begleiteter Experimentalmusik bis zum Literaturfeature ist alles vertreten.

Für die kommenden Nächte empfehlen wir das Hörspiel „Unsterblich“ von Frederike Frei. Die lange, ironisch-verzweifelte Rede einer Frau gegen den Tod. Blumige Gedankenarabesken, gewidmet der eigenen Sterblichkeit. Oder vielmehr: ein Versuch, allen diesbezüglichen Tatsachen wortreich zu entkommen. Natürlich sind die Menschen im allgemeinen sterblich. Aber für das konkrete Ego bleibt der Tod doch die größte aller anzunehmenden Kränkungen (Montag).

„Stadtwelt“ heißt ein schönes Feature von Hemut Kopetzky. Ein akustisches Porträt der Stadt Fulda. Die Stadt als Klangkörper betrachtet. Tönende Menschen, Maschinen, Sozialverhältnisse. Akustische Archetypen, vom Autor gesammelt in Stadtparks und Wohnungen, auf Friedhöfen und in Krankenhäusern. Die Sinfonie einer deutschen Kleinstadt (Dienstag).

Wer nach Eins immer noch wach liegt, kann sich vom „Nacht-Radio“ im Deutschlandfunk (UKW 97,7 MHz) trösten lassen. Bis zwei Uhr gibt es hier die beste Musik, die man in der Dunkelheit hören kann. Zumindest, was die populären Genres betrifft. Neue Stücke aus Jazz, Blues und Rock, ausgewählt von sachkundigen Moderatoren mit schönen Nachtstimmen. Die ideale Geräuschkulisse, um doch noch ins Reich der Träume zu kommen.

Um einen Albtraum der besonderen Art geht es dagegen im Hörspiel „Deutschlands grausamste Mutter“. Autorin Marianne Zückler erzählt über einen Kindsmord – und was ein zu hysterischer Höchstform auflaufender Medienbetrieb daraus macht. Vorlage ist der reale Fall einer Mutter, die ihre beiden Kinder verhungern und verdursten ließ. Während empfindsamere Gemüter noch über die Ursachen solcher Sozialpathologien grübeln mögen, blasen im Hörspiel die Krawallmedien schon zur großen Hatz auf die menschliche Bestie (Radio Kultur, 3. Mai, 21 Uhr, UKW 92,4 MHz).

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