Fundamentalismus : Krieger, in Gottes Namen

Religiöser Fundamentalismus – in ihrer Dokumentation setzt sich CNN-Journalistin Christiane Amanpour mit extremistischen Ansichten in allen drei Weltreligionen auseinander.

Sonja Pohlmann
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Glaubensfragen. CNN-Reporterin Christiane Amanpour interviewt einen israelischen Siedler. -Foto: CNN

Als islamistische Terroristen am 11. September 2001 mit entführten Passagierflugzeugen das World Trade Center in New York zerstörten, wurde der Islam von vielen Menschen zum neuen Feindbild stilisiert. Dass fanatische Gläubige in dieser Religion in der Minderheit sind, wird ebenso oft vergessen wie die Tatsache, dass dieser religiöser Fundamentalismus auch in anderen Glaubensrichtungen zu finden ist. „Gotteskrieger“ werden solche Menschen genannt, die mit aller Macht versuchen, ihre Religion auszubreiten und damit auch Einfluss auf politische Entscheidungen zu gewinnen. Die CNN-Chefkorrespondentin Christiane Amanpour hat sich jetzt mit solchen „Gotteskriegern“ beschäftigt – nicht nur mit Islamisten, sondern auch mit fanatischen Anhängern in den anderen beiden großen Weltreligionen, dem Christentum und Judentum. „God’s Warriors“ heißt die Dokumentationsreihe, die ab heute in drei Folgen auf CNN läuft.

„In unserer modernen Welt spielt Religion eine immer größere Rolle. Welche Kraft sie entfalten kann, haben wir zu lange ignoriert“, sagt Amanpour. Deshalb hat sich die renommierte Journalistin auf die Reise gemacht. In acht verschiedenen Ländern, darunter die USA, Ägypten, Israel, der Iran und die Niederlande, sprach sie mit Anhängern der drei Glaubensrichtungen. Amanpour wollte herausfinden, wie diese Gläubigen leben, warum sie mit der modernen Welt so unzufrieden sind – vor allem aber, weshalb diese „Gotteskrieger“ ihre Religion als den einzig wahren Weg ansehen, um die Welt zu retten.

Sie alle seien vereint in dem Glauben, dass Gott und Religion einen Weg ins tägliche Leben finden müssen, erklärt Amanpour. „Längst hat sich Religion dadurch auch zu einer politische Macht entwickelt“. Wie sehr, das zeigt sie gleich im ersten Teil ihrer Reportagereihe „Gottes jüdische Krieger“. Darin berichtet die Journalistin, wie jüdische Lobbyisten den amerikanischen Kongress beeinflussen, israelischen Siedler finanziell unterstützen und somit dazu beitragen, dass sich der Konflikt zwischen Juden und Muslimen verschärft. „Wie offen selbst radikale Anhänger mit uns gesprochen haben, hat mich überrascht“, sagt Amanpour. So traf sie beispielsweise Familienangehörige von palästinensischen Selbstmordattentätern. In den USA kam Amanpour mit jungen Muslimen zusammen, die ihre Religion ausleben und viele Aspekte der amerikanischen Gesellschaft ablehnen. „Gottes muslimische Krieger“ heißt dieser zweite Teil der Reportagereihe, der die Spannung zwischen dem Islam und der westlichen Kultur beleuchtet. Denn während islamische Gruppen in arabischen Ländern einen größeren Zuspruch erfahren, sammeln ebenfalls radikale christliche Gruppen in den USA neue Mitglieder um sich. Welche Macht diese religiösen Rechten in Amerika mittlerweile haben, zeigt Amanpour im dritten Teil „Gottes christliche Krieger“. Dafür traf sie beispielsweise Jerry Falwell, den Gründer der politischen Glaubensbewegung Moral Majority und der Megachurch in Lynchburg. Zusammen mit seinen Anhänger predigt er gegen legale Abtreibung und die in den Schulen vermittelte Evolutionstheorie.

„Mich fasziniert, wie stark die Anhänger der verschiedenen Glaubensrichtungen von ihrer Mission überzeugt sind. Daraus entwickelt sich jedoch eine Macht, die wir vorsichtig beobachten müssen“, warnt Amanpour. Dass sie mit ihrer Reportagereihe neue Ängste schürt, glaubt sie nicht. „Denn wir können die religiösen Bewegungen erst richtig einschätzen, wenn wir ihre Hintergründe kennen.“

„God’s Warriors“, CNN, heute, Donnerstag und Freitag jeweils um 15 Uhr und 21 Uhr

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