Fußball-Bundesliga : Wo laufen sie denn?

Fans, Funktionäre und Sponsoren ärgern sich: Es gibt Proteste gegen die ARD-Pläne, die Sonntagsspiele der Fußball-Bundesliga erst in den "Tagesthemen" zu zeigen. Den Dritten Programmen steht es frei, früher zu berichten - aber werden sie das tun?

Markus Ehrenberg
Ribery
Sonntags ausführlich erst gegen 23 Uhr? Bayern-Star Franck Ribery. -Foto: ddp

Kaum ist die Fußball-Bundesliga nach der Winterpause wieder ins Rollen gekommen, gibt es Ärger – über die Sonntagsspiele ab der nächsten Saison, vor allem über die Frage, wo die Partien im Fernsehen wie lange zu sehen sein werden. Immer mehr Manager, Fans, Funktionäre und Sponsoren melden sich zu Wort, die mit den Bundesliga-TV-Plänen der ARD nicht einverstanden sind. Diese sehen vor, die Berichte über die Sonntagsspiele in der ARD erst in den „Tagesthemen“ zu zeigen. Zur Erinnerung: Mit der Saison 2009/2010 hat das Erste die Free-TV-Rechte für bis zu drei Sonntagsspiele, die um 15 Uhr 30 und 17 Uhr 30 angepfiffen werden. Vertraglich ist seitens der Deutschen Fußball Liga (DFL) festgelegt, dass die ARD zwischen 21 Uhr 45 und 23 Uhr von jedem Sonntagsspiel vier bis 15 Minuten zeigen muss.

„Ich habe mit großer Verwunderung zur Kenntnis genommen, dass die Spiele in den späten Sonntagabend weggedrückt werden“, lässt sich Hans Joachim Watzke, Geschäftsführer von Borussia Dortmund, in der „Bild“-Zeitung zitieren. „Ausgerechnet von der ARD, die zuvor immer so getan hat, als wären Fußball-Übertragungen für einen Sender das allerhöchste Gut.“ Ein allerhöchstes Gut auch für die Sponsoren, die darauf angewiesen sind, dass die Berichte möglichst lang einem möglichst großen Publikum gezeigt werden, am besten schon ab viertel vor zehn oder 22 Uhr, wie zurzeit im Deutschen Sport Fernsehen (DSF). Gegen 23 Uhr sei eindeutig zu spät und „widerspricht unseren Grundprinzipien, den Massensport Fußball auch der Masse der Bevölkerung zugänglich zu machen“, beschwerte sich S20-Vorstand Dirk Huefnagels. Die Lobby S20 vertritt 16 Liga-Großsponsoren wie Allianz, Daimler oder die Deutsche Telekom.

Da die ARD-Intendanten aber beschlossen haben, dass bei der Programmstruktur alles beim Alten bleiben und „Anne Will“ ihren Sendeplatz behält, kann im Ersten der Ball erst eine Stunde später rollen. Den Dritten Programmen steht es frei, ob sie ab 21 Uhr 45 berichten. Der ARD-Vorsitzende Peter Boudgoust verteidigt das Vorgehen: „Mit diesem Angebot bekommt der Zuschauer am Sonntag eine aktuelle und breite Fußball-Berichterstattung, in der auch für regionale Belange genügend Platz ist. Die Reichweiten der Dritten Programme werden oft zu unrecht unterschätzt. Ihr Marktanteil lag im vergangenen Jahr bundesweit bei 13,2 Prozent und insgesamt damit auf Platz zwei der Hitliste.“

Millionen Fans fragen sich nun, ob und wie die Dritten auf das Angebot eingehen. Außer dem NDR, der seinen „Sportclub“ von 22 Uhr 45 auf 21 Uhr 45 vorverlegen will, lassen sich die Regionalsender nicht in die Karten schauen. NDR-Programmdirektor Frank Beckmann deutet an, wo es hin gehen könnte: „Ab der kommenden Saison bekommen Fans soviel Bundesliga-Berichterstattung wie noch nie. Bei uns natürlich mit einem klaren Fokus auf den norddeutschen Vereinen.“ Das wird wohl bedeuten: Wenn der HSV oder Werder am Sonntag nicht spielen, kommen Schalke- oder Köln-Fans beim NDR kaum auf ihre Kosten, nicht so ausführlich wie in der Samstags-„Sportschau“. Sie müssen hoffen, dass der WDR eine Sportsendung am Sonntagabend einführt – oder bis 23 Uhr warten, um längere Spielberichte in den „Tagesthemen“ zu sehen. Mit Bildern zum Beispiel vom Klassiker Bayern München gegen Borussia Dortmund. Am Sonntag ab zehn im DSF. M. Ehrenberg

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