Fußball : Der Ball im Netz

Die Telekom zeigt Premiere die Rote Karte und wechselt den Internetpartner. Wie teuer die Fußball-Bundesliga im Internetfernsehen werden soll, steht noch nicht fest.

Johannes Schneider
Fussball
Wo laufen sie denn? Premiere verliert einen wichtigen Übertragungskanal, besitzt aber weiterhin die Bundesliga-Rechte fürs...Foto: dpa

Die Deutsche Telekom wechselt den Bundesliga-Partner im Internetfernsehen (IPTV): Ab der nächsten Saison wird nicht mehr Premiere, sondern der Constantin Medienkonzern die Live-Bilder für den Bonner Konzern liefern. Mit dem Wechsel verhilft die Telekom auch dem einstigen Medienmogul Leo Kirch zu einer Art Comeback im Fußballgeschäft. Der 82-Jährige hält mehr als 25 Prozent an Constantin Medien.

Kirch ist nicht der einzige bekannte Name, der im neuen Deal eine Rolle spielt. „Wir führen derzeit Gespräche mit prominenten Moderatoren, unter anderem mit Johannes B. Kerner“, sagte Rainer Hüther, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Constantin Medien am Donnerstag. Der Konzern, zu dem auch das Deutsche Sportfernsehen (DSF) gehört, werde eine ganz neue Redaktion aufbauen und alle 612 Erst- und Zweitligaspiele für die T-Home-Kunden in HD-Qualität ausstrahlen. Christian Illek, der Bereichsvorstand Marketing T-Home, bezeichnete den Vertragsabschluss mit einer Laufzeit von vier Jahren als einen „Wechsel vom Guten zum Besseren“. Der Weggang von Premiere sei „keine einfache Entscheidung“ gewesen. „Aber wir wollen das Angebot vielfältiger und exklusiver machen.“ Nach drei Jahren Erfahrung im IPTV sei es Zeit für den nächsten Schritt gewesen.

Geschätzte 20 Millionen Euro wird die Telekom jährlich an den neuen Dienstleister überweisen. Hinter der Investition steht der Versuch, IPTV endlich zum profitablen Wirtschaftszweig zu machen. Denn bisher ist das Internetfernsehen ein Sorgenkind im Telekom-Konzern: Nur etwa 500 000 Abonnenten haben auf das Angebot zurück gegriffen. Im europäischen Vergleich steht die Telekom damit nicht gut da. Sowohl in Frankreich als auch in Spanien haben die Anbieter die Millionenmarke schon lange hinter sich gelassen. Und selbst auf dem kleinen niederländischen Markt gibt es rund 700 000 IPTV-Zuschauer.

Das Interesse ist da, doch wo sind die Kunden? Schätzungen, nach denen es in Deutschland bis zu einer Million „Schwarzseher“ gebe, die Spiele illegal im Internet ansehen, halten die Telekom und Constantin für „völlig übertrieben“. Zumal die Übertragungsqualität der illegalen Bilder, die meist in China ins Netz gespeist werden, der Qualität des Telekom-Angebots unterlegen seien. So gebe es bei der Telekom technische Neuerungen wie Torstatistiken und Live-Ticker. Vor allem aber sind die Telekom-Bilder mittels eines Dekoders auf den ganz normalen Fernseher übertragbar. „Und wer einmal ein Fußballspiel in HD-Qualität auf einem Flachbildfernseher gesehen hat“, sagt Hüther, „der wird sich niemals mehr mit schlechten Bildern auf dem Laptop begnügen.“ Fußball sei nun mal ein Event. „Und da will jeder beste Qualität.“

Wie viel den Kunden diese Qualität kosten wird, darüber schweigen die Anbieter. „Wir sind noch im Planungsprozess“, sagte Telekom-Mann Illek. Möglich sei, dass Preispakete für Internet und Handy angeboten würden – das Telefon könnte billiger werden, wenn man das Internetfernsehen dazunimmt. „Es ist noch viel zu früh, um über Preise zu reden.“ In den nächsten Wochen werde man konkrete Zahlen bekannt geben. Klar ist bereits jetzt, dass die Zusammenarbeit mit den Vereinen intensiviert wird. Unter dem Stichwort „Vereins-TV“ sollen Interviews und Pressekonferenzen angeboten werden. „Die Bundesliga ist die ganze Woche ein Thema“ sagte Illek. Es gebe aber keine Pläne, wieder als Sponsor der Deutschen Fußballliga (DFL) aufzutreten. Für den Erwerb der Fußball-InternetRechte zahlte die Telekom bisher 45 Millionen pro Jahr an die DFL. Im neuen Vertrag, den die DFL im November 2008 abgeschlossen hatte, erhielt die Telekom den Zuschlag für rund 25 Millionen Euro. Bleibt die Frage, mit wie vielen Kunden die Telekom kalkuliert. Nach Angaben des Konzerns haben 20 Millionen Haushalte in Deutschland die Möglichkeit, das Internetfernsehen zu empfangen. „Wir wissen, dass es etwa 1,5 Millionen Deutsche gibt, die bereit sind, für exklusive Berichterstattung zu zahlen“, sagte Illek. Nun sei die Telekom in der Lage, neue Geschäftsbereiche zu erschließen statt alte zu verteidigen.

Gut für die Telekom, schlecht für Premiere? „Natürlich ist es schade, dass Fussballfans die Bundesliga von Premiere künftig nicht mehr über IPTV sehen können“, sagte Premiere-Sprecher Torsten Fricke am Donnerstag. Der geschasste Sender will sich auf seine alten Stärken besinnen, die Übertragung der Bundesliga im klassischen Pay-TV.

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