Fußball-EM 2008 : Gewinner und Verlierer

ARD und ZDF übertragen 27 der 31 Spiele bei der Fußball-EM 2008.

Joachim Huber
Trix und Flix
Trix und Flix: Die Maskotchen der EM 2008.Foto: dpa

Die Fußball-Europameisterschaft 2008 wird ein öffentlich-rechtliches Fernsehereignis. ARD und ZDF werden 27 der insgesamt 31 Partien des Turniers in der Schweiz und in Österreich live übertragen. Unter den 27 Spielen sind alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft – maximal sechs Begegnungen, falls sich die Löw-Elf qualifiziert und ins Finale kommt –, das Eröffnungsspiel am 7. Juni in Basel, die vier Viertelfinals, beide Halbfinalbegegnungen und das Endspiel am 29. Juni in Wien. Laut einer Mitteilung von ARD und ZDF "hat die Sportrechteagentur Sportfive, die für die Uefa verhandelt hat, heute das Angebot der Sportrechteagentur von ARD und ZDF, SportA, angenommen“. Über die finanzielle Ausgestaltung des Vertrags hätten die Parteien Stillschweigen vereinbart, nach dpa-Informationen zahlen ARD und ZDF 115 Millionen Euro und damit deutlich weniger als Sportfive mit 160 Millionen Euro ursprünglich verlangt hatte. Allerdings ist die EM mit 4,25 Millionen Euro pro Spiel teurer als die WM 2006 in Deutschland.

Nach der Einigung mit ARD und ZDF kann die Uefa noch die kompletten Rechte für das Pay-TV vergeben, aber bei nahezu kompletter Abdeckung im Free-TV sind diese Lizenzen nicht sehr viel wert; dazu kommen die Rechte an den vier Spielen, die die öffentlich-rechtlichen Fernsehsender nicht live übertragen werden, bei denen sie aber das Recht auf zeitversetzte Berichterstattung haben.

RTL, der schlechter Verlierer

Als einziger Privatsender im Free-TV hatte bislang RTL Interesse an EM-Spielen gezeigt, und zwar an einem Paket mit bis acht Spielen. Prompt hat RTL scharfe Kritik an der Vergabe der EM-Rechte an ARD und ZDF geäußert: "Mit diesem Deal hat das wahre Pay TV gesiegt. Wir hatten ein sehr attraktives Angebot hinterlegt und wären gerne wie zuletzt bei der WM Juniorpartner der Öffentlich-Rechtlichen gewesen“, sagte ein RTL-Sprecher. "Doch deren vermeintlich sorgsamer Umgang mit Gebührengeldern hat sich wieder einmal als reine Farce erwiesen. ARD und ZDF haben wie so oft in der Vergangenheit eine Maßlosigkeit beim Sportrechteerwerb an den Tag gelegt, nicht ohne die nächste Gebührenerhöhung bereits angemeldet zu haben.“ Die Replik von ARD und ZDF ließ nicht lange auf sich warten. Ein ZDF-Sprecher bezeichnete RTL als "schlechten Verlierer“, bei der ARD hieß es: "Zum Sport gehört auch, dass man verlieren kann.“

RTL kann jetzt nur noch bei den vier Partien zuschlagen, über die ARD und ZDF nicht live berichten und die von der Uefa an andere frei empfangbare Sender vergeben werden. Es handelt sich um Spiele der dritten Gruppenphase, die innerhalb einer Gruppe jeweils parallel zu Spielen ausgetragen werden, die im Ersten und im Zweiten zu sehen seien. Das Auswahlrecht liegt bei ARD und ZDF. Die Vereinbarung sichert den Öffentlich-Rechtlichen auch das Recht zu, die EM unverschlüsselt über Satellit sowie über alle von ARD/ZDF genutzten Verbreitungswege zu zeigen. Auch der ARD-Hörfunk kann alle Spiele der Fußball-EM übertragen.

Übertragungsrechte von WM 2010 und 2014 sind auch sicher

Der ARD-Vorsitzende Fritz Raff äußerte seine Freude darüber, dass es "nach zähem Ringen nun endlich gelungen ist, dieses großartige Sportereignis rechtzeitig und zu vertretbaren Konditionen zu sichern“. ZDF-Intendant Markus Schächter erklärte, die "schwierigen Verhandlungen“ der vergangenen anderthalb Jahre hätten sich gelohnt. Noch in dieser Woche wollen sich das Erste und das Zweite über die Vergabe der 27 EM-Spiele untereinander verständigen.

Der Ausgang der Verhandlungen um die EM 2008 ist keine große Überraschung. Noch bei jedem Fußballturnier landet nach einem einigem aufgeregten Hin und Her der Großteil der Fernsehlizenzen bei den Öffentlich-Rechtlichen, die sich eben, anders als die private Konkurrenz, keine Sorgen um die Refinanzierung via Werbung machen müssen. Vor diesem Hintergrund konnten sich ARD und ZDF bereits die Übertragungsrechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2010 in Südafrika und 2014 in Südamerika sichern.

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