Fußball-EM : Immer wieder Cordoba

Österreichs Medien haben nur ein Thema: Wie man am besten die Deutschen rauswerfen kann.

Markus Huber[Wien]
Fans aus Österreich
Vor dem Spiel gegen Deutschland: österreichische Fußballfans im EM-Fieber.Foto: dpa

Hätte was Besseres passieren können? Wohl kaum, und wer das anders sieht, der musste nur am Freitag die österreichischen Medien durchforsten. Egal welches Medium man zur Hand nahm, kein Blatt, das etwas auf sich hielt, verzichtete auf jene sieben Buchstaben, die jeden österreichischen Fußballfan elektrisieren, wenn sie denn nur richtig aneinandergereiht werden. Die einen taten es verschämt, wie etwa der linksliberale „Standard“, der sich quer durch seine ganze Print-EM-Strecke davor drückte, um im Internet dann erst recht loszulegen. Die anderen machten es ganz plakativ wie die ebenfalls im Qualitätssektor aktive „Presse“, die ihr EM-Extra gleich unter das Motto „Cordoba 08“ stellte. Niemand war aber so konsequent wie das größte Massenblatt am Platz, die „Kronen-Zeitung“. Sie titelte am Freitag lapidar: „Jetzt brauchen wir noch ein Cordoba!“ Und so, wie die Texte in der „Krone“ geschrieben waren, bemerkte man ganz leicht, dass das „nur“ offenbar nicht aus inhaltlichen, sondern aus Platzgründen vom Cover geflogen war.

Aber egal, es ist so weit: Die Europameisterschaft 08 hat für Österreichs Medien nun endlich wirklich ihren Sinn bekommen. Zwar war schon kurz nach der Auslosung das Match gegen Deutschland zum „Spiel der Spiele“ (Krone) erhoben worden. Mittlerweile sind so viele Cordoba-Elogen auf Zeitungs- und Magazinpapier gedruckt worden, dass selbst im Jahr 2000 geborene Mädchen wissen, dass damals, 1978, in dieser ominösen argentinischen Kleinstadt Österreich die Deutschen plattgemacht hat. Aber dass es nun am Montag tatsächlich zu einem wirklich wichtigen Spiel kommen, dass es am Montag tatsächlich ein Endspiel zwischen Österreich und Deutschland um den zweiten Gruppenplatz geben wird und die Österreicher nicht nur selbst noch aufsteigen, sondern vor allem die Deutschen nach Hause schicken können – das übertrifft alle Erwartungen. Niemand hat damit gerechnet – und umso euphorischer zeigen sich die österreichischen Medien. Die „Presse“ denkt auf ihrem Euro-Cover darüber nach, wie man am besten „Deutschland rauswerfen“ kann. Die „Krone“ wiederum erklärt nicht nur, dass die österreichischen Kicker am Montag kollektiv zu Ikonen werden können, die die Generation der 78er endlich in die Rente schickt – sondern fordert auch ultimativ, dass die „Durststrecke gegen Deutschland nun endlich enden muss“.

Die neue Tageszeitung „Österreich“, die sich am Boulevard mit der „Krone“ einen heißen Konkurrenzkampf liefert, legt noch ein Schäuferl nach und verlost nicht nur Fanpackages bei einem „Cordoba-Gewinnspiel“, sondern titelt: „Jetzt hauen wir die Deutschen raus“. Dazu gibt es auf der Homepage noch den neuen EM-Song eines Castingshow-Teilnehmers mit dem schönen Titel „Schießt die Deutschen raus“.

Fast scheint es so, als würde die Euro tatsächlich nur aus diesem einen Spiel bestehen. Nicht auszudenken, was passiert, wenn Österreich wirklich gewinnt.

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