Medien : Fußball für zehn Euro?

Unity Media setzt auf Bundesliga und „Triple Play“

Thomas Gehringer

Das Unternehmen Arena, das ab der kommenden Saison über die Pay-TV-Rechte an der Fußball-Bundesliga verfügt, will einen eigenen Sender für die Übertragung der bisher bei Premiere gezeigten Live-Spiele gründen. „Wir werden auf jeden Fall eine Sendelizenz beantragen“, erklärte gestern Parm Sandhu (37). Der Brite asiatischer Abstammung ist Geschäftsführer sowohl von Arena als auch der Muttergesellschaft Unity Media und hatte an den Unternehmensstandort Kerpen mit der sportlichen Adresse Michael- Schumacher-Straße 1 gebeten. Er wolle nun von einem „Nobody“ zu einem „Somebody“ werden, erklärte er freundlich. Doch noch immer sind weit mehr Fragen ungeklärt als beantwortet.

So gibt es um den Standort des Senders einen Wettbewerb der Regionen. Nach Angaben Sandhus haben sich drei Landesmedienanstalten bereit erklärt, eine Lizenz zu erteilen. Das redaktionelle Team soll in sechs bis acht Monaten aufgebaut sein – also kurz vor Saisonbeginn. Sandhu versprach, dass es in dem neuen Pay-TV- Angebot ein reines Fußball-Paket geben werde. Der Preis, so die Vereinbarung mit der Deutschen Fußball Liga, soll nicht über 20 Euro liegen. Der Presse wurde eine Straßenumfrage präsentiert, bei der Passanten gefragt wurden, ob sie bereit wären, Bundesliga im Pay TV für zehn Euro monatlich zu abonnieren. Allerdings beeilte sich Arena-Sprecher Bernard de Roos zu erklären, dass dies keine Festlegung auf einen Preis bedeute.

Bis Ende Februar will Arena die wichtigsten Eckdaten des neuen Senders vorstellen. Dazu dürften vor allem Vereinbarungen zählen, dass die Bundesliga- Live-Berichte auch überall in Deutschland zu empfangen sein werden. Unity Media erreicht nur die Haushalte mit Kabelanschluss in Hessen und NRW sowie weitere 2,6 Millionen bundesweit über Tele Columbus. Die Gespräche mit der Kabel Deutschland GmbH (KDG), die die Kabelnetze in den übrigen Bundesländern betreibt, seien „sehr weit fortgeschritten“, sagte Sandhu. Auch Satelliten-Kunden sollen nicht ausgeschlossen sein: Mit Astra und anderen Betreibern werden Verhandlungen geführt – mit Premiere, das die fürs eigene Programm vertriebenen Set-Top-Boxen nicht kampflos überlassen will, jedoch nicht. Wer bereits einen Decoder im Wohnzimmer stehen hat, soll ihn auch nutzen können. Gesichert ist dies noch keineswegs. Den wahren Konkurrenten sieht Unity Media jedoch weniger in Premiere, sondern in Unternehmen wie der Telekom: „Wir möchten die Digitalisierung beschleunigen“, sagte Parm Sandhu. Internet, Telefon und Fernsehen aus einem Kabel – in diesem „Triple Play“ sehen Netzbetreiber wie Unity Media und Kommunikationsriesen wie die Telekom für die Zukunft großes Potenzial. Jedoch ist bisher erst ein Viertel der deutschen Haushalte an die breitbandigen Hochgeschwindigkeitsnetze angeschlossen. Auch das Kerngeschäft der Unity Media besteht vorerst darin, den Kunden des herkömmlichen, analogen Kabelnetzes einwandfreie Bilder zu liefern. Den allermeisten hat dies bisher völlig ausgereicht: Von den sieben Millionen Unity-Haushalten haben bisher erst 170 000 das digitale Pay-TV-Angebot tividi abonniert. Allerdings fehlten bis vor kurzem darin auch die Sender der privaten Ketten RTL und Pro7 Sat1.

Der Fußball soll für die Unity Media der Türöffner für das ganz große Geschäft sein. Bisher stammen im jährlichen Umsatz erst 2,2 von knapp 800 Millionen Euro aus dem „Triple-Play“-Geschäft. Ansonsten hält sich die Geschäftsleitung um Parm Sandhu mit Zahlen zurück. Dass Unity Media keine Gewinne schreibt, bestätigte er immerhin, und dass dies auch in Zukunft nicht so schnell geschehen wird, lässt sich leicht ausrechnen. Denn der Erwerb der Bundesliga-Rechte war teuer. In der Branche wird von über 200 Millionen Euro jährlich gemunkelt. Gut möglich, dass Unity Media versucht, über die Vergabe von Sublizenzen die Kosten zu verringern. Dann gäbe es wieder mehr Live-Spiele im frei empfangbaren Fernsehen, oder Premiere selbst könnte wieder ins Bundesliga-Geschäft kommen. Das wird bei Unity Media nicht ausgeschlossen.

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