Fußball im Fernsehen : Zwischen Ribéry und Bruce Lee

Das DSF will nach dem Verlust der Bundesliga-Sonntagsspiele am Ball bleiben - auch im Internet.

Markus Ehrenberg

Mit der Wertschätzung ist es so eine Sache: Was man von seinem Partner hatte, weiß man meistens erst, wenn der weg ist. Das könnte Fußballfans mit dem Deutschen Sport Fernsehen (DSF) auch so gehen. Jahrelang hat der Münchner Spartensender die beiden Spiele der Ersten Liga am Sonntagabend ab 22 Uhr im frei empfangbaren Fernsehen exklusiv zeigen dürfen. Viel wurde geschimpft, über zu viel Werbung, zu viele Vorberichte, zu späte Tore. Geguckt hat man’s dann trotzdem, vor allem dann, wenn der Lieblingsverein am Sonntag spielen musste. Damit ist im Sommer Schluss. Dann darf die ARD mit der Fußball-Bundesliga bekanntlich auch am Sonntag ran: allerdings ohne echte „Sportschau“. Im Ersten sollen die Berichte als verlängerter Sportblock kurz vor elf in den „Tagesthemen“ laufen. Vorher, gegen 22 Uhr, haben die Dritten Programme Zugriffsrecht. Wobei derzeit, abgesehen vom NDR und RBB, noch völlig unklar ist, welche Länder da überhaupt mitziehen. Die Sportchefs der ARD-Anstalten hatten sich dafür ausgesprochen, die Sonntagsberichte schon um 21 Uhr 45 im Ersten zu zeigen, Programmdirektor Herres war dagegen. Nun zögern einige Regionalsender, wollen kein Überlaufbecken des Ersten sein.

 „Ein bisschen mit Wut, mit Ärger“ beobachtet Oliver Reichert, seit 2007 alleiniger Geschäftsführer beim DSF, wie scheinbar unkoordiniert das Erste mit der Bundesliga am Sonntagabend umgeht. Keine Zeit für Katzenjammer. Das DSF zeigt sich allerdings als fairer Verlierer im TV-Rechte-Poker, hat sich nur noch nicht entschieden, was anstelle der Ersten Liga zukünftig sonntagabends läuft. Programmschwerpunkt soll – neben der Zweiten Liga mit dem Live-Spiel am Montagabend – die Rundumberichterstattung sein, darunter ein neuer Fan-Talk à la „Doppelpass“, jenem mit Abstand bekanntesten, streitbaren Format des DSF mit Vorzeigemoderator Jörg Wontorra. Geplant ist eine Sendung am frühen Samstagnachmittag. Fußballfans sollen in den Stadien oder an den Spielorten mit- und gegeneinander diskutieren.

Darüber hinaus will die Magazinsendung „Bundesliga aktuell“, die wochentags die eine oder andere Exklusivmeldung um Ribéry, Hoffenheim & Co. produzieren, mit Toren und Stimmen gefüttert werden. In Sachen Nachberichterstattung steht das DSF noch in Verhandlungen mit der DFL. Neu hinzu kommen Rechte beim Motorsport, die sogenannte MotoGP, und Ultimate Fighting Championship (UFC), eine „in den USA ernst zu nehmende Hauptsportart“, der Bruce Lees Kampfsport-Überlegungen zugrunde liegen. Kernsportarten wie Handball oder Basketball sollen bleiben.

Dennoch, dass der vor 15 Jahren gegründete Sportsender hauptsächlich mit Gewinnspiel-, Erotik- und Teleshopping-Formaten sein Geld verdient, dürfte mit dem Abzug der Bundesliga-Spiele vom Sonntag bei den technisch erreichbaren 33 Millionen Fernsehhaushalten ein bisschen mehr auffallen. In spätabendlichen Shows animieren beim DSF immer noch leicht bekleidete Moderatorinnen zum Telefon-Voting. Zwischen Selbstverständnis – Slogan auf der Website: „führender Sportsender für Männer im deutschen Free-TV. Hochwertiger Live- und Premium-Sport“ – und Zuschauerwahrnehmung klafft öfter eine Lücke. „Das Thema Call-in ist definitiv endlich“, sagt Oliver Reichert. In Zukunft solle das DSF auf andere Art und Weise zum Multimedia-Haus werden. Ein Relaunch der Sender-Website steht an, mit Live-Streaming, Bildern, die man im Fernsehen nicht sieht. Damit soll das TV-Programm ins Web verlängert und die junge Zielgruppe gewonnen werden. Inwiefern das neue Mutterhaus, die Constantin Medien AG, ein breit aufgestellter Anbieter von Filmen, TV-Produktionen und Sportrechten mit Großaktionär Leo Kirch, bei der Neujustierung des Senders eine Rolle spielt, ist unklar. Von Leo Kirch im Hintergrund erwartet man ja immer etwas mehr als Ultimate Fighting Championship und ein Prozent Marktanteil. Warum nicht auch beim DSF?

Die Wörter „Größere Fußball-Rechte“ oder gar „Champions League“ nimmt DSF-Chef Reichert aber nicht in den Mund. Schön wäre es ja schon, wenn es mal wieder mit einem großen internationalen Live-Spiel klappen würde. An den TV-Rechten für das Uefa-Cup-Rückspiel AC Mailand gegen Werder Bremen war das DSF dran. Letzten Endes war das Spiel zu teuer. Werder-Fans schauen am Donnerstagabend in die Röhre.

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