Fußball im Pay-TV : Kneipen-Fußball auf albanisch?

Ein Internet-Shop mit Billig-Decodern und -Karten alarmiert die Deutsche Fußball Liga und wirft Fragen in Sachen TV-Rechte Vermarktung.

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Fußball in der Kneipe.
Fußball in der Kneipe.Foto: dpa

Ein dickes Lob auf die Fußball-Bundesliga und ihren Wert in Europa? Christian Seifert, Geschäftsführer der Deutschen Fußball Liga (DFL), hätte sich einen besseren Zeitpunkt aussuchen können als diese Woche, wo alle vier Vertreter ihre Champions-League-Partien auf teils peinliche Weise verloren haben. „Die Bundesliga stößt auf mehr Resonanz als zuvor, sowohl im Inland als auch im Ausland. Die Wertigkeit, die wir heute in den Medienverträgen haben, ist höher denn je, und sie wird in den nächsten Jahren noch steigen“, sagte Seifert dem Sender Sport1 und hat damit wohl auch die nächste Rechte-Periode für die Spielzeiten ab 2017/2018 im Auge, die die Liga-Vermarktung in neue Dimensionen heben dürfte.

Derzeit kassiert die Liga von Sky, ARD & Co. 628 Millionen Euro pro Saison für nationale TV-Rechte, dazu 75 Millionen durch Auslandsvermarktung. Am Donnerstag wurde bekannt, dass audiovisuelle Medienrechte für 18 neue Länder in Europa und angrenzende Staaten für die Spielzeiten 2015/2016 und 2016/2017 vergeben und die Erlöse damit mehr als verdoppelt wurden.

Verwirrung in Kölner Kneipe

Wie wertvoll diese Liga ist, das wissen auch die Hintermänner eines vermeintlich günstigen Pay-TV-Angebots, das in den vergangenen Tagen für Verwirrung sorgte, nachdem das "Wall Street Journal" darüber berichtet hatte. Ein Kölner Kneipier soll Bundesliga-Fußball von einem albanischen Pay-TV-Sender erhalten. Sein Sky-Abonnement hatte der Gastwirt gekündigt, wegen der Preiserhöhungen in den vergangenen Jahren, die der Pay-TV-Sender mit gestiegenen Rechtekosten erklärt. Verlangte Sky im Sommer 2013 knapp 300 Euro im Monat, sollte der Spaß nun mehr als das Doppelte kosten.

Dieser Gastwirt dürfte (anders als dieser hier) allerdings vor dunklen Bildschirmen sitzen. Wie sich herausstellte, hat der offizielle albanische Pay-TV-Sender DigitAlb nichts mit dem Angebot eines Internet-Shops zu tun, das dem Gastwirt vorlag. Man wolle bei der Bekämpfung eventuell in Deutschland ausgelieferter Karten und Decoder sogar behilflich sein, ist von albanischer Seite zu hören. „Dieses Angebot ist illegal. Wir sind mit Sky im Gespräch und prüfen rechtliche Schritte“, sagte ein DFL-Sprecher. Für die Auslandssender gibt es von der DFL klare vertragliche Vorgaben – es gilt das Territorialprinzip. Damit also darf DigitAlb nicht aktiv in andere Märkte vertreiben und ihre Decoder und Karten zu Kampfpreisen nach Deutschland schicken.

Sky schickt verstärkt Kontrolleure durchs Land

Aber ist dieses Territorialprinzip noch zeitgemäß? Die englische Wirtin Karen Murphy konnte 2011 vorm Europäischen Gerichtshof (EuGH) durchsetzen, dass sie aufgrund der europäischen Dienstleistungsfreiheit in ihrem Pub Spiele der britischen Premier League über einen griechischen Pay-TV-Sender zeigen durfte. Mit dem Urteil blieben Fragen offen: Welche Übertragungswege sind von dem Urteil betroffen? Kabel, Satellit, Internet-TV, oder alle zusammen? Oder: Lohnt es sich noch, Urheberrecht in Grenzen zu denken?

Die EuGH-Richter hatten entschieden, dass Liga und Sender juristisch dagegen vorgehen können, wenn urheberrechtlich geschützte Inhalte wie Grafiken oder Logo durch EU-ausländische Anbieter in ihrem Heimatmarkt übertragen werden. Das Fußballspiel selbst sei keine eigene geistige Schöpfung eines Urhebers und damit nicht als Werk im Sinne des Urheberrechts der EU anzusehen. Die EU-Kommission wird sich weiter grundsätzlich mit den kniffligen Themen Urheberrecht und Territorialitätsprinzip befassen. Ziel könnte sein, dass innerhalb Europas der Zugriff auf Inhalte aus anderen Ländern vereinfacht wird. Eine Entscheidung kann die Rahmenbedingungen für die Fußball-Vermarktung deutlich verändern, paneuropäische Anbieter wie Sky werden Rechte an der Bundesliga anders handeln als ein Sky Deutschland alleine.

Beim Münchner Pay-TV-Sender will man sich derweil durch illegale Billig-Angebote nicht auf der Nase herumtanzen lassen. Sky schickt verstärkt Kontrolleure durchs Land, die sich die Übertragungen in den Fußball-Kneipen ganz genau anschauen.

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