Medien : Fußball ist sich selbst genug

Bernd Gäbler

Wer über Schnitzel Bescheid wissen will, muss deswegen nicht selber in der Pfanne liegen. Johannes B. Kerner aber bruzzelt. Der sonst so sanfte Allesversteher glaubt, vor dem Volk sogar schreien zu müssen. Da konnte der Fußballfreund bei der WM-Eröffnung nur froh sein, dass nicht auch noch ZDF-Reporter Béla Réthy den Ballermann gab. Selbst bei umstrittenem Abseits verkniff er sich den Beckmesser. Fürs Zittern und Mitfiebern sorgte der Wackelfußball von sich aus. Ein guter Reporter darf darauf vertrauen, er muss nichts künstlich anheizen.

Sogar wer ganz weit weg ist vom Ball, kann Kluges beitragen. Mit seinen roten Schühchen wird Papst Benedikt XVI. kaum je vor einen getreten haben, dennoch hat er – noch unter seinem Mädchennamen Ratzinger – auch über Fußball kluge Gedanken zu Papier gebracht. Ihn faszinieren das ernste Heraustreten aus dem Alltag und das Universelle. Nahezu alles kann man folglich an Fußball anflanschen: Religion und Sex, Poesie und Politik, Erregung und Ernüchterung. An der Reportersprache zeigt sich, was gerade en vogue ist.

Die erste WM-Erfahrung stützt, was auch die Wissenschaft analysiert: alles Militärische ist „out“: keine Bomben mehr und Schlachtenbummler, Stoßstürmer oder Fronten.

Dagegen boomt die Begriffswelt des Theaters. Angriffe werden vorgetragen, ja inszeniert; ein dichtes Kombinationsspiel aufgezogen und Können vorgeführt. Obwohl dem Ensemble der Regisseur fehlt, werden Rollen interpretiert, setzt sich ein Akteur in Szene. In dieser Sprache des Theaters bleibt präsent: hier wird uns etwas vorgespielt.Die Wendung von der Identifikation hin zum Epischen wahrt die Differenz zur realen Welt. So könnten sich – das ist neu für Deutsche – am Ende Leidenschaft und Leichtigkeit verbinden. Nur die Einpeitscher zwischen den Spielen stören noch. Sonst wäre gar Platz für Ironie.

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