Fussball-TV : Wo feiern sie denn?

Das spannende Bundesliga-Finale am Samstag verschafft dem Fernsehen seine eigene Dramaturgie

Markus Ehrenberg

Bei einem der spannendsten Fußball-Bundesliga-Finales aller Zeiten stellt sich der Sendeablauf der „Sportschau“ am Samstag fast von alleine auf: die Meisterschafts-Konferenz mit den Spielen Bayern München gegen Stuttgart und Wolfsburg gegen Bremen, vorher eine Abstiegskonferenz mit Gladbach gegen Dortmund, Bielefeld gegen Hannover, Cottbus gegen Leverkusen sowie Karlsruhe gegen Hertha, und am Anfang die drei bedeutungslosen Spiele in Gelsenkirchen, Frankfurt und Köln. „So könnte das aussehen“, sagt eine WDR-Sprecherin, das werde kurzfristig entschieden. Aber auch bei einem so spannenden Finale bleibt für die „Sportschau“ ein Problem: das mit der Echtzeit. Moderator Gerhard Delling dürfte sich schon den einen oder anderen Vergleich zurechtgelegt haben, um den Zuschauer eine Stunde nach Abpfiff nicht für dumm zu verkaufen. Um 18 Uhr 15 weiß die halbe Welt, wer Deutscher Meister ist. Immerhin, eine Konferenz simuliert noch am besten die Dramatik eines finalen Spieltages. Werden die Partien in der „Sportschau“ nacheinander gezeigt wie an 33 Spieltagen zuvor, wirken Kommentatoren-Sätze wie „Nun bin ich gespannt auf eine Antwort in Wolfsburg“ noch fadenscheiniger.

Eines muss man der anderthalbstündigen Samstags-„Sportschau“ lassen: Sie hat auf den unterhaltsamen Saison-Verlauf mit jeweils mindestens 50 Minuten Nettoberichterstattung angemessen reagiert, manchmal sogar augenzwinkernd, wie es Moderator Reinhold Beckmann öfters gelingt. Da nimmt man die zwei Werbeblöcke und „Das Tor der Woche“ in Kauf. Schließlich müssen die geschätzt 100 Millionen Euro, die die ARD für die Bundesligarechte zahlt, ja refinanziert werden. Die Zuschauer haben das bedingt honoriert, mit durchschnittlich 5,5 Millionen Zuschauern in der Rückrunde. Ein bisschen mehr hätte es schon sein können. In der vorangegangenen Saison lag der Schnitt bei 5,49 Millionen. Von solchen Zahlen kann der Pay-TV-Sender Premiere mit seinen 2,4 Millionen Abonnenten nur träumen. Diese kommen am Samstagnachmittag in den Genuss der Live-Übertragungen samt Konferenz. Fußballfans, die an diesem Spieltag einfach mal Premiere live schnuppern möchten, müssen Sportbars aufsuchen. Einzelbestellungen via Internet-TV gibt es, anders als in der Champions-League, bei der Bundesliga nicht.

Für die meisten Fußballfans ist die Live-Konferenz auf InfoRadio (in Berlin: 93,1 Mhz) sowieso das Nonplusultra. Der Sender geht ab 15 Uhr 30 in die Stadien, unterbrochen von Werbung und Aktuellem (Bundespräsidentenwahl!). Ab 16 Uhr 35 der große Countdown: fast die komplette zweite Halbzeit in der Konferenz.

Richtige Live-Schalten also, im Unterschied zu den Dramaturgien, die „Sportschau“ und „Sport Studio“ bemühen müssen. Das ZDF macht das Beste draus. Dort hält sich ein fliegender Michael Steinbrecher bereit. Der Moderator will gegen 22 Uhr in Wolfsburg, in München oder Stuttgart zu einer Meisterfeier vor Ort sein, um „Emotionen, Reaktionen und Stimmen“ einzufangen, kündigt das ZDF an. Ein Meister in Stuttgart sollte den Mainzern entgegenkommen – was die Helikopterkosten betrifft.

Vielleicht kann man den ganzen Trubel aber auch auf andere Art und Weise sacken lassen: mit „Zeiglers wunderbarer Welt des Fußballs“ im WDR ab 23 Uhr 45. Moderator Arnd Zeigler plant eine Extra-Ausgabe seiner Call-In-Show. Bis zwei Uhr sollen die kuriosesten Liga-Episoden „noch einmal ordentlich nachgewürzt werden“. Da braucht es dann keine Konferenz mehr. Markus Ehrenberg

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