Medien : Fußball-Übertragung: Echte Fans sind gegen 15:30

Markus Huber

Das Wochenende im Zeitraffer: Heute um 20 Uhr 15 zeigen die Wolfsburger den Zweitliga-Aspiranten aus Cottbus ihre Grenzen auf. Am Samstag um 15 Uhr 30 macht der Kölner FC mit den Herren aus Unterhaching genau das gleiche. Am Abend dann der Sympathieträger-Gipfel Dortmund gegen Bayern, und am Sonntag Schalke gegen Lautern. Und das beste: Dank Premiere World kann man überall dabei sein.

Und nun gibt es also Menschen, die einem diesen Genuss nehmen wollen. "Pro 15:30" nennen sie sich, sie bezeichnen sich selbst als "Fans" und sie wollen, dass wie anno dazumal alle neun Bundesliga-Partien am Samstag um 15 Uhr 30 über die Bühne gehen. Damit man dann ja nur noch eine Begegnung live sehen kann? "Wir wollen das Scheiß-Fernsehgeld nicht", malten sie kürzlich im Hamburger Volksparkstadion auf ein Transparent. Sogar einen prominenten Befürworter haben sie - Kurt Beck (SPD), Ministerpräsident und Vorsitzender des Rundfunkkommission der Länder, hat sich nun auch gegen die Bundesliga-Spiele am Sonntag ausgesprochen. Er fordert mehr "Verlässlichkeit und Planbarkeit" in der Liga.

Stopp. Zum Fernsehgeld: Was würde wohl passieren, wenn die Liga-Klubs nicht mehr die Kirch-Millionen, sondern nur noch ein paar öffentlich-rechtliche Mark von ARD und ZDF bekämen? Schlechtere Spieler, noch weniger internationale Stars, deren Fehlen jetzt schon beklagt wird, endgültig nur noch Mittelmaß auf dem Fußball-Platz Deutschland. Das wollen echte "Fans"? Sicher doch.

Oder die Planbarkeit: Die Anfangszeiten der Begegnungen stehen zwar nicht mehr auf Monate hinaus fest, aber zumindest eine Woche. Und welcher Fan - von Ministerpräsidenten einmal abgesehen - hat an einem Wochenende einen derart prallen Terminkalender? Eben.

Am Anfang jeder Saison sind die TV-Magazine voll mit Jubel-Arien, dass man in dieser Saison beinahe an jedem Wochentag ein Top-Spiel im Fernsehen hat. Jetzt ist es soweit, und jetzt wollen es ein paar Sektierer nicht mehr. Am Sonntag abend wäre es den Fans nicht zumutbar, dass sie von einem Auswärtsspiel noch stundenlang nach Hause fahren müssen, heißt es. Falls es sich noch nicht herumgesprochen hat - die Strecke von Freiburg nach Rostock ist am Samstag abend ungefähr gleich weit wie am Sonntag.

Also das Samstag-Abend-Spiel, das den "15:30"-Aktivisten so sauer aufstößt: Was ist an dieser Uhrzeit so schlecht? Erstens: Jeder Mensch, der einmal im Stadion war, weiß, dass ein Fußball-Match bei Flutlicht viel mehr Flair vermittelt als ein Kick an einem brütend heißen Sonnabend Nachmittag. Und zweitens: Selbst die Retro-Freaks werden zugeben müssen, dass sie nach einem Nachmittagsspiel immer in ein Zeitloch fallen. Wenn um 17 Uhr 15 die Partie abgepfiffen wird, ist es einerseits zu spät, um sich einen gemütlichen Nachmittag zu Hause zu machen, andererseits ist es aber zu früh, um gleich um den Block zu ziehen. Wenn der Kick aber erst um 20 Uhr 15 angepfiffen wird, kann man nach dem Abpfiff gleich in die Kneipe.

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