Fußball & Infotainment : Der Elf-Prozent-Sender

Bei der Neupositionierung von Sat 1 setzt Geschäftsführer Andreas Bartl auf alte Bekannte. Was sich der Privatsender von Harald Schmidt erhofft und wie er den Samstagabend aufhübschen will.

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Hallo! Die Neuauflage der Late-Night-Show von Harald Schmidt bei Sat1 (hier ein Foto von 1995) ab Herbst könnte auch als eine Art Informationssendung daherkommen. Foto: dpa
Hallo! Die Neuauflage der Late-Night-Show von Harald Schmidt bei Sat1 (hier ein Foto von 1995) ab Herbst könnte auch als eine Art...Foto: picture-alliance / dpa

Bayern-Trainer Louis van Gaal hat nicht mehr all zu viele Freunde in München. Einer drückt dem holländischen Trainer auf jeden Fall die Daumen: Sat 1-Geschäftsführer und Pro-Sieben-Sat 1-Fernsehvorstand Andreas Bartl. Wenn der Rekordmeister am Ende dieser missratenen Bundesliga-Saison doch noch den dritten Platz erreicht und damit die Champions-League-Qualifikation schafft, darf Sat 1 bei Fußball-Übertragungen mit Deutschlands schillernstem Club auch in der kommenden Spielezeit wieder auf Marktanteile von über 20 Prozent hoffen. Das ist fast doppelt so viel wie Senderschnitt. TV-Fußball zieht, und es ist gut vorstellbar, dass der Bällchensender auch bei der demnächst anstehenden Vergabe der Bundesligarechte mitmischt.

„Spitzenfußball ist immer interessant und deshalb schauen wir uns das Angebot an“, sagte Petra Fink, Unternehmenssprecherin der Pro Sieben Sat 1 AG, am Montag dem Tagesspiegel und unterstrich damit Ambitionen, die Andreas Bartl in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ geäußert hatte. Aber nicht nur „ran“, die traditionelle Sat1-Sportsendung, könnte mit einer Bundesliga-Ausgabe im Free TV am späteren Samstagabend aufgehübscht werden, auch das Infotainmentprogramm hat der Sat 1-Chef im zweiten Jahr seines Wirkens im Visier.

Zurzeit liegt der Münchner Privatsender mit 10,3 Prozent Marktanteil immer noch weit hinter Marktführer RTL und dem selbst gesteckten Ziel: der stabilen Elf-Prozent-Marke. Bartl will neben neuen Reality-Formaten mit Information punkten, wenn auch nicht unbedingt im Sinne klassischer Nachrichten. Er fasse den Nachrichtenbegriff weiter als der eine oder andere Medienpolitiker. „Mir ist daran gelegen, bei Sat 1 in der späten Stunde eine Infoschiene aufzubauen von Montag bis Donnerstag“, sagte Bartl. Keine Art „heute journal“ light, sondern Sendungen wie „Eins gegen Eins“, „Planetopia“, „Spiegel TV“- beziehungsweise „Focus TV“-Reportagen, „Akte“, „Ermittlungsakte“ oder „Kerner“.

Inwieweit Rückkehrer Harald Schmidt bei der Neupositionierung des Senders eine Rolle spielen könnte, ließ Bartl offen. Mit der Rückkehr von Schmidt, Fußball und deutschen Serien wie „Danni Lowinski“ wolle Sat 1 dort weitermachen, wo man vor acht Jahren nach dem Abschied von Geschäftsführer Martin Hoffmann aufhörte. Sat 1 solle zu seinen ursprünglichen Stärken zurückgeführt werden, weil sich der Sender damals gut positioniert hatte und erfolgreich war. „Nun machen wir die moderne Variante.“ Harald Schmidt sei ein großer Kommentator des aktuellen Geschehens und wenn seine Show als Informationssendung eine größere Rolle spielt, habe der Sat 1-Chef nichts dagegen.

Was aus Oliver Pocher nach dem Ende seiner Late-Night-Show wird, ist noch nicht entschieden. „Ich kann mir ein Engagement bei einem anderen Sender in unserer Gruppe vorstellen“, so Bartl. Ein Moderatoren-Team Pocher/Schmidt wie bei der ARD sei bei Sat 1 laut Unternehmenssprecherin Fink nicht geplant. Pocher wird sich wohl bald einen neuen Job suchen müssen. Wie Louis van Gaal.

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