Medien : Fußball-WM 2002: Kamerun gegen China

Matthias Hochstätter

Oliver Bierhoff ist die tragische Figur dieser Tage. Drei todsichere Chancen hatte er gegen die Finnen vor zehn Tagen im WM-Qualifikationsspiel. Am Ende stand es 0:0. Wenn das nun mit der WM-Qualifikation nicht klappt, dann geht das geht auch ARD und ZDF etwas an, denn die müssen auch ohne deutsche WM-Teilnahme 2002 aus Japan und Südkorea berichten. Und ohne Bierhoff und Co. könnte es für Delling, Kerner und Waldi Hartmann im fernen Osten ziemlich langweilig werden.

"Ohne die Deutschen wäre die WM 2002 ein absolutes Fiasko für ARD und ZDF", sagt Lars Böcking, Sponsoring-Chef der Wiesbadener Media-Agentur HMS & Carat. Böcking kümmert sich für seine Kunden Adidas, Ferrero oder Eurocard um Werbeplätze bei den WM-Übertragungen. Für einen 30-Sekunden-Spot bei einem Deutschland-Spiel müsste Böckings Agentur voraussichtlich 140 000 Euro zahlen. "Das entspricht den Preisen des Champions-League-Finales zur Primetime", sagt Böcking.

Doch die Spiele in Seoul und Tokio werden zwischen acht und 13 Uhr mitteleuropäischer Zeit angepfiffen. "Ohne das deutsche Team hocken sich zu dieser Zeit nur Rentner und Hardcore-Fans vor die Kiste", so der Media-Experte. Die Nationalmannschaft würde laut Böcking aber auch andere Zielgruppen anlocken, die sich sonst eher nicht so für Fußball interessieren. "Wenn sich unsere Gurkentruppe nicht qualifiziert, werden wir noch einmal über das Geld reden müssen."

Eine Preiskorrektur bei den Werbespots würde einen finanziellen GAU bedeuten. Denn die Öffentlich-Rechtlichen können die 250 Millionen Mark, die sie für die Übertragung von 24 WM-Spielen gezahlt haben, sowieso nicht refinanzieren. Experten schätzen die Erlöse aus Werbung, Sponsoring und Merchandising auf maximal 120 Millionen Mark. Ohne Deutschland müsse man noch einmal 20 bis 30 Millionen Mark abziehen. "Ohne Deutschland sinkt das Zuschauer-Interesse", so Böcking, "wer schaut sich denn um neun Uhr morgens schon die Partie Kamerun gegen China an?"

ARD-Sprecher Rüdiger Oppers glaubt, dass sich das deutsche Publikum auch für die Partie Kamerun gegen China begeistern kann: "Mit oder ohne Deutschland: Die deutschen Zuschauer sind an Top-Fußball interessiert." Die ARD würde nach einem möglichen Qualifikationsdebakel gegen die Ukraine zwar traurig sein, aber trotzdem nach Japan und Südkorea fahren und alle 24 gekauften Spiele übertragen.

Auch beim ZDF werden sie das machen. "Falls Deutschland nicht mitspielt, haben wir aber ein abgespecktes Sendekonzept auf Lager", sagt ZDF-Sprecher Thomas Stange, "mit weniger Hintergrundberichterstattung." Doch ARD-Mann Oppers ist zuversichtlich und glaubt, dass Rudis Truppe gegen die Ukraine mehr zeigen werde als gegen die Finnen: "Die haben viel Potenzial."

Aber Potenzial alleine wird nicht reichen, um die beiden ukrainischen Topspieler Rebrow und Schewtschenko in Schach zu halten. Dafür hat Oppers noch einen Kölschen Gute-Laune-Spruch parat: "Et hät noch emmer jot jejange." Gut gegangen ist es vor allem Leo Kirch. Bevor klar war, ob sich die Deutschen überhaupt qualifizieren, hat er im Frühjahr die unattraktive Asien-WM an ARD und ZDF verscherbelt. Für diesen schon unterzeichneten Vertrag gebe es keine Rücktrittsklauseln, falls sich die deutsche Fußballnationalmannschaft nicht noch für dieses Turnier qualifiziert, sagte am Montag ein Kirch-Sprecher. Dumm gelaufen für die beiden anderen Vetragspartner, die Senderchefs von ARD und ZDF, Fritz Pleitgen und Dieter Stolte.

In England, Frankreich und Italien dauert hingegen das Feilschen um die Übertragungsrechte noch an, heißt es aus der Kirch-Gruppe, die die WM für die FIFA weltweit vermarktet. Aber Sorgen, dass er seine WM-Rechte nicht loskriegt, muss sich der alte Fuchs aus Unterföhring nicht machen: Seine Investitionen in Höhe von 3,4 Milliarden Mark für die Weltmeisterschaften 2002 und 2006 dürfte Kirch alleine mit der Asien-WM einspielen. Bleibt ARD und ZDF nur die Hoffnung, dass Bierhoff mal wieder trifft. Daran glaubt wohl nicht mal Leo Kirch. Aber dem kann es eigentlich auch egal sein.

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