Medien : Fußball-WM: Abpfiff - endlich!

Joachim Huber

ARD und ZDF werden die Fußball-Weltmeisterschaft 2002 zeigen. Die beiden öffentlich-rechtlichen Anstalten haben sich am Mittwoch mit der Kirch-Gruppe endgültig verständigt. Nach Angaben des Münchner Medienunternehmens werden ARD und ZDF "gemeinsam die wichtigsten Spiele der Weltmeisterschaft in ihren Programmen übertragen". Der Vertrag sehe die Live-Berichterstattung von mindestens 24 Partien des Turniers in Japan und Südkorea vor. Dazu gehören alle Spiele der deutschen Nationalmannschaft sowie das Eröffnungsspiel, die beiden Halbfinals und das Endspiel. Die Begegnung um den dritten Platz wird zusätzlich übertragen, wenn die deutsche Mannschaft daran beteiligt ist. "ARD und ZDF haben außerdem das Recht, das wichtigste Spiel des Tages auszuwählen", heißt es in den Vereinbarungen.

Nach ZDF-Informationen werden die Partien wegen der Zeitverschiebung um 8 Uhr 30, 11 Uhr und 13 Uhr hiesiger Zeit ausgestrahlt; außer über den Fernsehschirm laufen sie auch über 30 Großbildschirme in deutschen Bahnhöfen. Alle 64 Spiele komplett werden nur in Kirchs Abonnentenfernsehen Premiere World zu sehen sein. Zuschauer sollen dort, wie auch bei der Fußball-Bundesliga, zwischen zeitgleichen Spielen hin- und herschalten können.

Über die Zweitrechte, das heißt Aufzeichnungen und Zusammenfassungen der Spiele zur besseren Sendezeit, muss offiziell noch verhandelt werden. In Branchenkreisen heißt es, dass der Kirch-Sender Sat 1 den Zuschlag erhält. Bei ARD und ZDF wird es außer den Live-Spielen am Morgen nur bei Kurzberichten in den Nachrichten bleiben.

Option auf Fußball-WM 2006

In den 33-seitigen Vertrag wurde ferner die Regelung mit aufgenommen, dass die öffentlich-rechtlichen Sender auch die wichtigsten Spiele der Fußball-WM 2006 in Deutschland übertragen - "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit", wie ZDF-Intendant Dieter Stolte betonte. Für das Turnier in Deutschland haben ARD/ZDF und die Kirch-Gruppe eine Option zugunsten der öffentlich-rechtlichen Anstalten ausgehandelt. Der ZDF-Chef sieht die öffentlich-rechtlichen Anstalten in der "Pole-Position" für die WM 2006. Fritz Pleitgen, ARD-Vorsitzender und Intendant des Westdeutschen Rundfunks, betonte, es sei den Sendern "von Anfang an um mehr als die Fußball-WM 2002 gegangen, vor allem um die bestmögliche Sicherung der WM-Übertragungen 2006 im eigenen Land". Dies sei gelungen. Nach Aussage von ARD-Sprecherin Gudrun Hindersin hat sich der Senderverbund auch die uneingeschränkten Hörfunk-Rechte sichern können. Sie nannte das gesamte Verhandlungsergebnis "akzeptabel. Wir sind bis an die Grenze des Zumutbaren gegangen."

Laut Vertragstext, über den die drei Partner mehr als ein Jahr verhandelt hatten, werden ARD und ZDF für die maximal 25 Spiele 2002 rund 250 Millionen Mark bezahlen. Der Vertrag wurde am Mittwoch vom ARD-Vorsitzenden Fritz Pleitgen, ZDF-Intendant Dieter Stolte und Kirch-Vize Dieter Hahn unterzeichnet. Hart gerungen wurde bis zuletzt um eine von den ARD-Intendanten geforderte verbesserte Garantie zum Kauf der Spiele bei der WM in Deutschland. Dem Vertrag zufolge werden die beiden Anstalten deshalb für die WM 2002 zunächst 100 Millionen Mark weniger an den Münchner Medienunternehmer überweisen. Nur wenn Kirch bei den 2003 anstehenden erneuten Verhandlungen dann ebenfalls 25 Spiele der WM 2006 an ARD/ZDF verkauft, erhält er die vollen 250 Millionen Mark für die WM 2002. Als Gegengeschäft für 2002 kann der Medienunternehmer auch an den Olympischen Spielen 2002 und 2004 partizipieren, allerdings nur für Premiere World. Ob er auch zehn Partien der Fußball-EM 2004 - die Rechte liegen bei ARD/ZDF - im frei empfangbaren Fernsehen zeigen kann, wird sich ebenfalls 2003 entscheiden.

Der Vertrag verpflichtet ARD und ZDF, die Spiele 2002 nur im analogen Fernsehen zu zeigen. Bei einer Ausstrahlung im digitalen Fernsehen hatte Kirch auf einer Verschlüsselung bestanden, da sonst die Spiele mit Satellitenschüsseln über ARD/ZDF auch in andern europäischen Ländern zu sehen wären. Eine Codierung der Begegnungen wiederum wollte die ARD nicht akzeptieren, da dies dem Grundsatz der freien Verbreitung des Fernseh-Programms widerspreche. Die analoge Satelliten-Ausstrahlung ist nicht auf Deutschland beschränkt. Zudem will sich die ARD bemühen, für die deutschen Haushalte mit Digital-Receiver eine Empfangsmöglichkeit zu schaffen, etwa über einen Wechsel des Transponders. Die Zahl solcher Haushalte wird auf 250 000 geschätzt.

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