Medien : Fußball-WM im Free-TV: Weltmeisterschaft nun doch in ARD und ZDF

Joachim Huber

ARD und ZDF werden die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 nun doch übertragen. Bei erneuten Verhandlungen mit der Kirch-Gruppe am Dienstag in München sei eine Verständigung erreicht worden, teilte ein Sprecher des Unternehmens mit. Wie weiter bekannt wurde, sollen ARD und ZDF bei der Fußball-WM 2002 in Südkorea und Japan 24 Spiele übertragen. Die übrigen Partien sollen beim Pay-TV Premiere World laufen, die Abend-Zusammenfassung im frei empfangbaren Privatsender Sat 1. Bei der WM 2006 in Deutschland sind wiederum 24 Spiele live bei ARD und ZDF zu sehen, die übrigen bei Premiere World.

Hintergrund:
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Bundeskanzler Schröder (SPD) begrüßte die Einigung: "Die Vernunft hat sich durchgesetzt. Die Fans haben gewonnen." Schröder forderte ARD und ZDF auf, die Fußball-WM 2006 in Deutschland mit einem kulturellen Rahmenprogramm zu begleiten, in dem die Weltoffenheit und Toleranz des Gastgeberlandes deutlich wird. Gerade im deutschen Fußball funktioniere das Zusammenspiel von Menschen unterschiedlicher Herkunft vorbildlich.

In das Rechtepaket für ARD und ZDF sind nach den Bestimmungen des Rundfunksstaatsvertrages auf jeden Fall alle Spiele mit deutscher Beteiligung, das Eröffnungsspiel, die Halbfinal-Partien und das Finale eingeschlossen. Ein Kirch-Sprecher betonte, damit sei sichergestellt, dass die Fußball-Weltmeisterschaften "allen Fußball-Interessierten in Deutschland breitest möglich zugänglich sind". Das Verhandlungsergebnis steht allerdings noch unter dem Vorbehalt, dass die ARD-Intendanten heute und die Gremien beider öffentlich-rechtlicher Systeme der Verständigung zustimmen. Der stellvertretende ARD-Vorsitzende Peter Voß hat den neuen Verhandlungsstand als "erheblichen Fortschritt" begrüßt. Es gebe jedoch in der ARD noch "intensiven Beratungsbedarf". Offenbar hat die ARD aber erreicht, dass die ebenfalls umstrittenen Hörfunkrechte mit im Lösungspaket liegen.

Wie viel ARD und ZDF zahlen wollen, blieb zunächst unklar. Bisher waren 750 Millionen Mark für beide WM im Gespräch. Der Vorsitzende der Rundfunkkommission der Länder, der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), sprach von einem "fairen Ergebnis, das sozusagen in der Nachspielzeit erreicht wurde".

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat die Einigung mit Freude zur Kenntnis genommen. Mediendirektor Wolfgang Niersbach sagte, "der DFB hätte sich gerade eine Weltmeisterschaft 2006 im eigenen Land ohne die umfangreiche Berichterstattung von ARD und ZDF nicht vorstellen können." Niersbach verwies auf die umfangreiche Rundum-Berichterstattung, die durch die regionale Ausrichtung der öffentlich-rechtlichen Sender gewährleistet sei.

Die bereits seit fast einem Jahr andauernden Verhandlungen waren vor zwei Wochen ergebnislos abgebrochen worden, weil sich beide Seiten nicht über den Preis und eine verbindliche Zusage der Übertragungsrechte der WM 2006 einigen konnten.

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