Fußball-WM : Wer über Satellit guckt, jubelt zuerst

Wenn der Nachbar zuerst dran ist: WM-Fans wundern sich über verzögerte Übertragungen im Fernsehen. Alles eine Frage des richtigen Empfangs.

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Beim Public Viewing jubeln alle zur selben Zeit. Foto: dpa
Beim Public Viewing jubeln alle zur selben Zeit.Foto: dpa

Eines der Medien-Phänomene dieser Fußball-WM ist die Tatsache, dass die Tore nicht in jeder Wohnung, nicht bei jedem Public Viewing gleichzeitig fallen. Während in der Gaststätte nebenan der Elfmeter längst verwandelt wurde, nimmt der Stürmer auf der eigenen Leinwand noch einen langen Anlauf. Der Nachbar jubelt zuerst. Live-Fußball ist relativ.

Das liegt zum einem am eigenen Fernseher beziehungsweise der Settop-Box. Flachbildfernseher brauchen ein paar Sekunden, um das Signal, welches aus der Box kommt, aufzubereiten. Und ein weniger guter Tuner eines älteren Modells benötigt länger als ein neues Gerät. Auch beim Eingangssignal gibt es Unterschiede, je nachdem über welchen Verbreitungsweg Fernsehen empfangen wird, digital über Satellit, Kabel, terrestrisch (DVB-T) oder über den Livestream im Internet. Von den 38,15 Millionen TV-Haushalten in Deutschland nutzen 46,3 Prozent Kabelfernsehen, 46,2 Prozent schauen via Satellit, Die Computerzeitschrift „c’t“ hat während der Live-Übertragung eines Fußballspiels mehrere Varianten parallel getestet. Am schnellsten fiel das Tor via Satellitenempfang, gefolgt von Satellit in HD (plus 1,5 Sekunden), DVB-T (2,5 Sekunden), Kabel analog (drei Sekunden) oder Kabel digital (sechs Sekunden).

Die immer zahlreicheren Internetnutzer jubeln zuletzt. Hier beträgt der Unterschied zwischen fünf und 30 Sekunden, da keine Internetleitung eine gleichmäßige Datenrate garantiert. Im Fall des Testspiels bei der „c’t“ betrug der Torunterschied 14 Sekunden. Noch geduldiger müssen Nutzer von Streamingdiensten sein. Bei Zattoo fiel das Tor 30 Sekunden, beim ARD-Livestream 50 Sekunden später. Magine-Nutzer sahen erst 90 Sekunden später den Ball im Tornetz zappeln. Da kann drüben in Brasilien schon längst wieder ein neues Tor gefallen sein.

Ganz zum Schluss freuen sich Zuschauer, die die WM unterwegs via Smartphone verfolgen. Wenn die mobile Internetverbindung noch langsamer ist als das W-Lan-Netz zu Hause, müssen sie mit mindestens 40 Sekunden Verzögerung rechnen.

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