Fußballübertragungen von ARD und ZDF : Stagnation und Langeweile

Die Bundesliga-Saison hat noch lange nicht begonnen, da flimmern schon Test-, Quali- und Pokalspiele über den Bildschirm. ARD und ZDF setzen auch in der Sommerpause auf den Quotenbringer Fußball – und langweilen dabei mit Stagnation und Einfallslosigkeit.

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Das öffentlich-rechtliche Fernsehen setzt weiter auf Fußball als Quotenbringer. Foto: dpa/Franz-Peter Tschauner
Das öffentlich-rechtliche Fernsehen setzt weiter auf Fußball als Quotenbringer.Foto: dpa/Franz-Peter Tschauner

Ich weiß gar nicht genau, wann eigentlich die Sommerpause im Fußball abgeschafft wurde, aber ich erinnere mich, dass es mal eine Zeit gab, in der man vom Ende der einen bis zum Angang der nächsten Saison keinen Fußball im Fernsehen sehen konnte (abgesehen von den Jahren natürlich, in denen Welt- oder Europameisterschaften stattfinden). Da lief dann plötzlich Tennis oder die Tour de France, manchmal auch Schwimmen. War auch mal ganz interessant. In der vergangenen Woche lief im Fernsehen der Supercup, der Audi-Cup, ein Qualifikationsspiel zur Europa-League – am Wochenende ist die erste Runde des DFB-Pokals, aber erst in einer Woche startet die Saison der ersten Bundesliga. Bereits am Donnerstag haben sich an dieser Stelle die Kollegen Joachim Huber und Jörg Leopold in einem Pro und Contra darüber Gedanken gemacht, ob das alles sinnvoll ist oder eher nicht. Huber findet es sinnvoll – Leopold findet es nicht sinnvoll.

Hubers Argumente leuchten mehr ein, zum Beispiel: „Das Fernsehen ist längst aus anderer Ecke unter Druck geraten. Youtube, Video-on-Demand-Plattformen wie Netflix nagen am linearen Ausstrahlungssystem. Gegenmittel sind die „Tatort“-Premieren, Nachrichten und ganz sicher Fernsehen live, Fußball live. Ein Medium, jedes Medium braucht unique Lockstoffe, Sonderangebote für sein übriges Sortiment. Fußball-Testspiele gehören dazu.“

Theoretisch – ja. Aber während sich zum Beispiel der FC Bayern München in jedem Sommer verstärkt – und diese Verstärkungen dann bei Testspielen ausprobiert, ließ das ZDF am Dienstagabend mal wieder Wolf-Dieter Poschmann ein Fußballspiel moderieren, obwohl die Verantwortlichen wissen sollten, dass das keine gute Idee ist. Poschmann hat Ahnung von der Leichtathletik, vom Eisschnelllauf – die Spielernamen des AC Mailand stellten ihn dagegen vor große Probleme. Mitunter hat man auch den Eindruck, das so ein Fußballspiel des Jahres 2015 ein bisschen zu komplex für Poschmann ist. Wenn also das Fernsehen tatsächlich die Übertragung eines Fußballspiels als „Lockstoff“ benutzen will, dann sollte sich das Fernsehen auch in Topform präsentieren. Aber genau das tut das Fernsehen nicht. Beim so genannten Audi-Cup wurde auch nicht Oliver Welke eingesetzt, sondern Katrin Müller-Hohenstein, und das Finale am Mittwoch wurde kommentiert von Martin Schneider. Schneider war jahrelang der Assistent von Béla Réthy. Aus dieser Funktion kann man herauswachsen: Oliver Schmidt zum Beispiel war mal der Assistent von Johannes B. Kerner und ist heute nicht der schlechteste Fußballkommentator. Schneider jedoch war schon mit der Frage überfordert, warum auf den Trikots von Real Madrid nicht die Spielernamen standen.

BVB frisch und besser, Steffen Simon aus der Zeit gefallen

Natürlich lief auch am Donnerstagabend Fußball, diesmal allerdings in der ARD – und diesmal war es auch kein Testspiel, sondern das Rückspiel von Borussia Dortmund in der Europa-League-Qualifikation. Dieses Spiel, für sich genommen, hatte genau das, was ein „Lockstoff“ sein könnte – und es zeigte auch, wie ein neuer Trainer eine Mannschaft, die in der vergangenen Saison nicht unbedingt glänzte, in einigen Momenten zum Funkeln bringen kann. Einiges, was der BVB zeigte, was neu und frisch und besser. Fast alles, was die ARD drum herum zeigte, war Stagnation und Langeweile und die Wiederholung von eingeübten Standards. Das Kommentieren unter Auslassung sämtlicher Verben, das Steffen Simon möglicherweise für ein Stilmittel hält, wirkte bereits 2008 aus der Zeit gefallen.

Für den Fußball gilt mitunter dasselbe wie für das Fernsehen: Wenn es gut ist, ist es besser als alles andere – wenn es schlecht ist, ist es schlechter als alles andere. Schade, dass beides so selten zusammen gut ist.

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