Computer und Schule : „Gute Lernsoftware fordert Kinder heraus“

Der Medienpädagoge Stefan Aufenanger sieht in den Programmen eine Motivationshilfe – in Absprache mit den Lehrern.

Ein Interview von Kurt Sagatz
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Spielen und Lernen mit der mobilen Spielekonsole Nintendo DS.Foto: AFP

Herr Aufenanger, sorgt Lernsoftware für bessere Noten?

Nicht automatisch. Lernsoftware kann eine Lernhilfe bei Problemen in der Schule sein. Wichtig ist eine Absprache mit den Lehrern, ob das Programm dafür auch geeignet ist. Weiterhin sollten Eltern mit solchen Programmen ihre Kinder nicht unter Druck setzen.

Was kann Lernsoftware leisten?

Lernsoftware kann Schule und Unterricht nicht ersetzen. Sie ist aber als Lernhilfe dort unterstützend, wo Kinder Lernschwierigkeiten haben. Mit entsprechenden Programmen können sie Themen bearbeiten, die sie in der Schule nicht verstanden haben, Übungen nachholen und sich auch neues Wissen aneignen.

Wie wichtig ist es bei den Lernspielen, dass der Spaß am Lernen gefördert wird – und wann geht das möglicherweise zu weit?

Lernen mit Spaß zu verbinden motiviert Kinder, vor allem jene, die mit dem Lernen Schwierigkeiten haben. Der Spaß darf aber nicht so überwiegen, dass die Lerninhalte dabei untergehen. Auch die Abwechslung zwischen Lernen mit Lernsoftware und Spielen kann als Lernspaß unterstützend wirken.

Viele Spiele werden für Nintendo DS entwickelt. Was ist davon zu halten?

Die Verbindung von Spielen und Lernen ist für Kinder attraktiv und die Programme auf der Nintendo DS bieten dies. Sie können nicht nur Wissen vermitteln, sondern auch mit komplexen Aufgaben das Denken der Kinder herausfordern. Da der Umgang mit Spielkonsolen den Kindern vertraut ist, ist das Lernen damit ihnen nicht fremd.

Den Nachhilfelehrer kann solche Software jedoch kaum ersetzen.

Bei der Nachhilfe ist es immer wichtig, auf die konkreten Lernprobleme der Kinder einzugehen; das kann Lernsoftware nicht. Sie kann aber dort unterstützend wirken, wo es um das Verstehen und das Üben geht.

Gibt es neben Preisen wie dem Kindersoftwarepreis „Tommi“ oder dem Bildungsmedienpreis Digita andere Kriterien, an denen man gute Programme erkennen kann?

Gute Lernsoftware sollte didaktisch so aufgebaut sein, dass der Lerninhalt kindgerecht präsentiert wird. Sie sollte nicht stumpfsinnig sein, sondern die Kinder im Denken herausfordern, Fehler nicht nur als solche zurückmelden, sondern auch erklären, was falsch gemacht wurde, und sie sollte viel mit Bildern und Animationen arbeiten, da dadurch Dinge besser verstanden werden als nur mit Texten. Am Besten fragt man auch Bekannte und Freunde, welche Erfahrungen sie mit Programmen gemacht haben.

Das Gespräch führte Kurt Sagatz.

Stefan Aufenanger ist Medienpädagoge der Universität Mainz und Wissenschaftlicher

Berater der Stiftung Lesen.Zudem gehört er der Fachjury des Kindersoftwarepreises Tommi an.

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