Computerspiele : Schlau gespielt

Es muss nicht immer Action sein: Mit Rätseln und schrägen Charakteren kommen neue Adventure-Games auf den Markt.

Achim Fehrenbach
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Vorwärts! Die Roboter aus "Machinarium". -Foto: Promo

Zum Jahresende in Richtung Weihnachtsgeschäft liefern sich die Hersteller von Computerspielen stets einen Showdown. Sie schicken Blockbuster mit aufwendiger Grafik und dicken Entwicklungsbudgets ins Rennen. Ganz weit oben in der Gunst der Gamer stehen Sport-, Action- und Rollenspiele. Dagegen sind die sogenannten Adventure-Games nur selten auf den vorderen Plätzen der Verkaufscharts zu finden. Das ist ein bestimmtes Genre von Computerspielen, in denen der Spieler typischerweise verschiedene Rätsel löst, Gegenstände oder Informationen findet, mit anderen Figuren redet und so die Handlung vorantreibt. Dieses Genre hat die Geschichte der Computerspiele maßgeblich geprägt. Ihre Blütezeit erlebten Adventures in den achtziger und neunziger Jahren, als Spiele wie „Zak McKracken“ mit kniffligen Rätseln und schrägem Humor ein Millionenpublikum erreichten. Das Aufkommen actionreicher 3-D-Spiele drängte die eher gemächlichen Klick-Abenteuer in den Hintergrund.

FÜR JEDE ALTERSGRUPPE

Wer noch nicht auf den Geschmack gekommen ist: Für jede Altersgruppe ist bei Aventures etwas dabei, thematisch reicht die Bandbreite von Märchen über Krimis bis hin zu Gruselgeschichten. Am grundlegenden Spielprinzip hat sich wenig geändert: Nach dem „Point & Click“-Prinzip steuert der Spieler eine Heldenfigur durch geheimnisvolle Schlösser, Tempel oder Labore verrückter Wissenschaftler. Zum Beispiel in dem Spiel „Machinarium“ (für PC und Mac, rund 30 Euro). Zu Beginn dieses kunstvoll handgezeichneten Roboter-Abenteuers geht es dem Roboter Josef gar nicht gut: Er landet auf einer Müllkippe und muss erst einmal Kopf, Beine und Arme einsammeln, bevor er sich auf den Rückweg in die Roboter-Stadt machen kann. Bei der Suche nach seiner Freundin wird er Zeuge einer Verschwörung. Die böse Roboter-Bruderschaft will mit einer Bombe alles in Schutt und Asche legen. Beim Versuch, das zu vereiteln, muss Josef so manches Hindernis überwinden. Die Rätsel in „Machinarium“ sind durchaus anspruchsvoll, bei ihrer Bewältigung helfen Josefs „Denkblasen“ und ein per Minispiel freischaltbares Lösungsbuch. Der größte Trumpf des Roboter-Abenteuers aber ist seine fantastische Atmosphäre. Grafik, Musik und wortlose Komik des kleinen Josef machen „Machinarium“ zu einem Adventure-Highlight.



DIE BERÜHMTESTE SERIE ÜBERHAUPT

2004 landete der Hamburger Spiele-Publisher dtp mit dem Grusel-Adventure „Black Mirror“ einen Überraschungshit. Fünf Jahre später bekommen die Fans den Nachfolger präsentiert. „Black Mirror 2“ (USK ab 16 Jahren, für PC, rund 30 Euro) knüpft an die Geschichte des ersten Teils an, kann aber problemlos auch von Serien-Neulingen gespielt werden. Zwölf Jahre sind seit den mörderischen Ereignissen auf dem englischen Schloss Black Mirror vergangen. Im US-Ostküstenstädtchen Biddeford absolviert der Physikstudent Darren ein langweiliges Praktikum in einem staubigen Fotoladen. Darrens Leben ändert sich jedoch schlagartig, als die hübsche Angelina auftaucht. Schnell wird der frisch verliebte Student in einen mysteriösen Mordfall verstrickt, seine Nachforschungen führen ihn bis nach Black Mirror – mehr soll nicht verraten werden. „BM 2“ ist ein spannendes Abenteuer mit fordernden Rätseln, einer Fülle grafischer Details und sehr guten Synchronsprechern.

„Monkey Island“ ist die wohl berühmteste Adventure-Serie überhaupt. Die Abenteuer des blonden Möchtegernpiraten Guybrush Threepwood fanden in den neunziger Jahren zahllose Fans. Die insgesamt vier Spiele waren vollgestopft mit Gags und popkulturellen Anspielungen – unvergessen etwa das berüchtigte „Beleidigungsfechten“. Nach fast zehnjähriger Piratenflaute gibt es 2009 mit „Tales of Monkey Island“ endlich eine Fortsetzung (Pegi ab zwölf Jahren, für PC und Wii, 23 Euro, www. telltalegames.com). Allerdings nicht als Volltitel, sondern in fünf rein englischsprachigen Download-Episoden mit je vier bis fünf Stunden Spielzeit. Die erste Episode erschien bereits im Juli, die vierte kommt Anfang November heraus und trägt den Titel: „The Trial and Execution of Guybrush Threepwood“. Aber keine Sorge, der gute Guybrush wird uns noch ein Weilchen erhalten bleiben – fürs Ableben ist er bei den Adventure-Fans viel zu beliebt.

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