International Games Week : Let's play!

Heute startet in Berlin die International Games Week. Neben der Entwicklerkonferenz Quo Vadis stehen Ausstellungen, Konzerte und ein Theaterstück auf dem Programm.

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Das Computerspiel "Dreadnought" wird im Berliner Studio Yager entwickelt. 40 Mitarbeiter sitzen an dem Projekt.
Das Computerspiel "Dreadnought" wird im Berliner Studio Yager entwickelt. 40 Mitarbeiter sitzen an dem Projekt.Screenshot: Yager

Ein gewaltiger Raumkreuzer fliegt durch schneebedeckte Canyons. Plötzlich taucht ein zweiter Koloss auf, und es entbrennt eine strategisch anspruchsvolle Schlacht. Die Feldherren sind Entwickler der Berliner Firma Yager, die gerade ihr neues Computerspiel „Dreadnought“ („Schlachtschiff“) testen. Zusammen mit dem Zombie-Spiel "Dead Island 2" entsteht „Dreadnought“ im Yager-Studio in der Pfuelstraße, direkt am Ufer der Spree: Insgesamt 120 Fachkräfte arbeiten an beiden Spielen. Yager ist eines von mehreren großen Spielestudios in der Hauptstadt: Wooga und Gameduell sind hier seit Jahren ansässig und beschäftigen hunderte Mitarbeiter, Anfang 2014 kam auch noch die Firma King hinzu, Ende 2014 die Firma Riot Games, die in Adlershof eSport-Turniere („League of Legends“) aufzeichnet.

Berlin wird als Standort für Spieleproduktionen immer wichtiger – da passt es ganz gut, dass hier von heute bis Sonntag die International Games Week stattfindet. Auf dem Programm stehen unter anderem die Entwicklerkonferenz Quo Vadis, die Verleihung des Deutschen Computerspielpreises, das Independent-Festival A Maze sowie das Gamefest am Computerspielemuseum.

Die International Games Week ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen. Bei ihrem Debüt im Jahr 2007 lief sie noch unter dem Titel „Deutsche Gamestage“ und lockte nur wenige hundert Fachbesucher an. 2013 waren es schon 6.000, ein Jahr später bereits 10.000 Besucher, darunter auch zahlreiche Spielefans. „Ich bin sehr optimistisch, dass die Teilnehmerzahl in diesem Jahr weiter steigen wird“, sagt Elmar Giglinger vom Medienboard Berlin-Brandenburg, das die Games Week initiiert hat und maßgeblich fördert. Laut Veranstaltungsleiter Michael Liebe soll die Games Week „die interdisziplinäre Vielfalt der Branche widerspiegeln“. So findet mit „Womenize!“ erstmals ein Aktionstag für Frauen statt, die eine Karriere in der Games-Branche anstreben. Neu hinzugekommen ist auch eine Konferenz für App-Entwickler: Bei der „Apps World Germany“ treten am Mittwoch bekannte Game-Designer wie Peter Molyneux und Ian Livingstone auf.

Tanz mit dem Smartphone: "Bounden".
Tanz mit dem Smartphone: "Bounden".Foto: Game Oven

Technologie, Wirtschaft, Kultur: All diese Aspekte wird die Games Week an sechs Tagen beleuchten. Eröffnet wird die Veranstaltungswoche am Dienstagnachmittag im Kino International, das zusammen mit dem Café Moskau als Konferenzzentrum dient. Eine politische Keynote hält Brigitte Zypries, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie; anschließend diskutieren Branchenvertreter über die Zukunft der Games-Industrie. Am Dienstagabend findet im Ewerk in der Wilhelmstraße die Gala zum Deutschen Computerspielpreis statt: Er gilt als Leistungsschau der Industrie und ist mit insgesamt 385.000 Euro dotiert, die sich auf zwölf Kategorien verteilen. Unter den Nominierten ist auch ein Spiel aus Berlin: „The Curious Expedition“, ein Strategieabenteuer des Independent-Studios Maschinen-Mensch.

Computer- und Videospiele sind für Maximilian Schenk vom Branchenverband BIU das „Leitmedium dieses Jahrhunderts“. Laut BIU spielen 34,3 Millionen Deutsche zumindest gelegentlich auf Smartphones und Tablets, Konsolen und PCs. 2014 erzielte die Branche einen Umsatz von 2,67 Milliarden Euro – und damit ein Plus von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wird die Entwicklung vor allem von Free-to-play-Games, deren Nutzer für Kleinstbeträge virtuelle Zusatzinhalte kaufen – und von der neuesten Konsolengeneration mit Playstation 4, Xbox One und Wii U. Doch während der deutsche Absatzmarkt boomt, sieht es um den Spiele-Produktionsstandort Deutschland nicht ganz so rosig aus. „Spiele aus Deutschland haben hierzulande nur einen Marktanteil von rund 8 Prozent“, so Schenk. Der BIU wolle deshalb „sehr offensiv“ mit der Politik über Förderungs- und Finanzierungsmöglichkeiten verhandeln: „Deutschland kann es sich nicht leisten, hier den Anschluss zu verpassen, wie das teilweise schon bei anderen Medienbranchen passiert ist.“

Finalist bei A Maze: das Adventure "Kentucky Route Zero".
Finalist bei A Maze: das Adventure "Kentucky Route Zero".Screenshot: Cardboard Computer

Die Hauptstadtregion verzeichnet derweil ein stetiges Wachstum. „Wir haben bundesweit die größte Dynamik im Games-Bereich“, sagt Medienboard-Geschäftsführer Giglinger und nennt Zahlen, die allerdings noch von 2013 stammen: So haben 200 Spielefirmen und 1500 Zulieferer einen Gesamtumsatz von über einer Milliarde Euro erwirtschaftet – bei insgesamt rund 10.000 Beschäftigten. „Wo andere Standorte händeringend nach Fachkräften suchen, hat eine Stellenausschreibung von King.com letztes Jahr für 3000 Bewerbungen aus aller Welt gesorgt“, freut sich Giglinger. Die Games Week ist – nach der Gamescom in Köln – die zweitgrößte Veranstaltung dieser Art im Bundesgebiet – und eine der größten in Europa. Für Yager-Chef Timo Ullmann ist sie bestens geeignet, um neue Geschäftskontakte zu knüpfen: „Viele Messebesucher nutzen die Gelegenheit, um in unserem Studio vorbeizuschauen. Nächste Woche wird es hier wie in einem Taubenschlag zugehen.“ Auf der Entwicklerkonferenz Quo Vadis veranstaltet Yager einen Workshop und hält nach potenziellen Mitarbeitern Ausschau.

Doch nicht nur für Spielemacher ist die Games Week interessant: Auch Spielefans erwartet eine ganze Reihe spannender Veranstaltungen. Vom 22. bis zum 25. April findet auf dem Urban-Spree-Gelände das Festival A Maze statt, das unabhängigen Spieleentwicklern mit originellen Ideen eine Bühne bietet: Besucher können 65 Games selbst ausprobieren, hinzu kommen Workshops, Konzerte und Partys.

Die Virtual-Reality-Brille "Oculus Rift".
Die Virtual-Reality-Brille "Oculus Rift".Foto: Fehrenbach

Ein weiterer Schwerpunkt der Spielewoche ist das "Gamefest am Computerspielemuseum", das auch im Kino International und im Kulturhaus Alte Feuerwache Friedrichshain stattfindet. Zu den Gamefest-Highlights zählen die Auftritte von Let's Player und Youtube-Star PietSmiet, „Nerd-Rapper“ Rockstah und den Chiptunes-Musikern „Desert Planet“ aus Finnland. Weitere Höhepunkte sind die Aufführungen der Theatergruppe „Extraleben“, die Games als interaktive Bühnenshow inszenieren, sowie die "Nacht des nacherzählten Spiels". Am Sonntag können sich Erziehungsberechtigte beim „Eltern-LAN“ über das Medium Computerspiele informieren. Außerdem können Besucher Virtual-Reality-Brillen wie die Oculus Rift ausprobieren: Der 3D-Effekt der Brillen lässt Spieler tief ins Geschehen eintauchen, was sie zur derzeit spannendsten Technologie der Games-Branche macht.

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