iPad-App : Kindle zeigt die Zukunft des Lesens

Der Anteil von E-Books am deutschen Buchmarkt ist mit einem Prozent marginal. Trotzdem ist auf der Frankfurter Buchmesse digitales Lesen großes Thema. Die Kindle-App für iPhone und iPad zeigt, warum E-Books die Zukunft gehört.

Johannes Eber
Virtuelles Blättern
Virtuelles BlätternFoto: Frankfurter Buchmesse

Zwei Mal in der Woche rezensiert die justapps.de-Redaktion für Tagesspiegel Online neue Apps.

Das Phänomen der Kinobranche hat jetzt auch den Buchmarkt erreicht: Früher musste man Monate warten, bis ein US-Film in deutschen Kinos landete. Heute kann sich das kein Verleih mehr erlauben. Ein Film, der nicht zeitnah mit dem Start in den USA auch hierzulande läuft, gilt als verbrannt, weil er dann schon lange im Internet zu besichtigen ist.

Denis Scheck, Moderator der ARD-Bücher-Sendung "Druckfrisch", beobachtet die gleiche Entwicklung im Buchsektor. Verlage würden versuchen, englischsprachige Bücher immer schneller auch in deutscher Übersetzung auf den Markt zu bringen. Denn es gebe eine wachsende Bereitschaft, sich die Bücher in der englischen Originalsprache zu kaufen, sagte Scheck jüngst im Deutschlandfunk.

Amazon dürfte einen gewichtigen Beitrag an dieser Entwicklung haben. Keiner verkauft mehr Bücher. Auch im digitalen Bereich ist der Internethändler Marktführer. Mit dem E-Book-Reader Kindle hat das Unternehmen vor allen in den USA Erfolg. Der hat zwei Ursachen: Das Gerät ist von ordentlicher Qualität und die Buchauswahl, dank Anbindung an den Online-Shop, riesig. 630.000 Bücher stehen aktuell zur Verfügung.

Amazon aber hat schon früh erkannt, dass es eine Bindung an ein einziges Gerät nicht braucht. Wenn wir die Kindle-Erfolgslogik auf andere Geräte übertragen, so das Amazon-Kalkül, verdienen wir zwar nicht mehr am Verkauf der Geräte, behalten aber die langfristige Einnahmequelle durch den Bücherabsatz.

Deswegen gibt es die Kindle-Anwendung schon seit März 2009 auf dem iPhone, inzwischen auch auf dem iPad. Die Kindle-App (kostenlos, iTunes-Link wurde seitdem kontinuierlich verbessert. Es gibt sie mittlerweile als Universal-App, das heißt, sie ist sowohl für iPhone und iPod Touch als auch für das iPad konzipiert. Pünktlich zum Start der Frankfurter Buchmesse steht seit Dienstag eine neue Version (2.3) zum Download bereit.

Neu darin: Auf dem iPad gibt es jetzt im Querformat eine Zwei-Spalten-Ansicht.

Was an der Kindle-App schon länger gefällt:

- Es gibt eine Synchronisationsfunktion: Wenn man abends auf dem Sofa einen Roman auf dem iPad gelesen hat und den am Morgen mit dem iPhone in der U-Bahn weiterlesen möchte, springt die App an die Stelle, an der man auf dem iPad aufgehört hatte zu lesen.

- Jedes Buch lässt sich durchsuchen.

- Auch schön: Zu einem markierten Wort wird automatisch eine Begriffserklärung eingeblendet.

Keine Frage, das E-Book hat gewichtige Vorteile gegenüber gedrucktem Papier. Eigentlich stört nur eine Sache: Im Vergleich zum durchschnittlichen Buch ist das iPad zu schwer. Langes Lesen ist nur möglich, wenn das Gerät aufgelegt werden kann. Es würde uns aber wundern, wenn Apple nicht schon mit der nächsten iPad-Generation dieses Problem entschärfen würde.

Kindle-App (kostenlos, iTunes-Link)

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Eine weitere Kindle-App-Besprechung der justapps.de-Redaktion finden Sie hier.

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