iPad-App : Schuhbeck, wie er würzt und kocht

Für die Herausgeber von Kochbüchern bietet das iPad gute Voraussetzungen. Endlich können sie neben Text und Foto auch das passende Making-of des Gerichts als Video dazugeben. Aber taugt das iPad in der Küchenpraxis?

Christoph Strobel

Zwei Mal pro Woche stellt die Redaktion des Online-Magazins justapps.de für Tagesspiegel Online neue Apps vor.

Die iPad-App "Alfons Schuhbeck – Meine Küche der Gewürze" (1,59 Euro, iTunes-Link) ist eine Weiterentwicklung der bereits existierenden gleichnamigen iPhone-App (2,99 Euro, iTunes-Link. Die Entwickler vom Verlag Zabert Sandmann haben zur Frankfurter Buchmesse das Angebot um 40 Rezepte – insgesamt 90 in neun Kategorien – und acht Videos für die Zubereitung erweitert. Grundlage beider Apps ist das 2009 erschienene Buch des Sternekochs.

Neben den Rezepten und Videos ist den Gewürzen ein eigenes Kapitel gewidmet, denn Schuhbeck gilt in der Branche als unangefochtener Experte auf diesem Gebiet. Das Kapitel ist in drei Unterkapitel unterteilt: "Meine Kräuter- und Gewürzregeln", "Gewürze und Kräuter von A-Z" und "Kleine Schule der Gewürze". Von jedem Bereich führt ein Link in Schuhbecks Webshop, wo die einzelnen Gewürze oder Mischungen gleich bestellt werden können. 

Die App bietet umfangreiche Informationen von Anis bis Zitronenmelisse – aufbereitet als Coverflow – und lässt jeweils zu Herkunft, Inhaltsstoffe, Verwendungsmöglichkeiten oder den gesundheitsfördernden Eigenschaften des Gewürz keine Fragen offen. Hochwertige Fotos sowie Schritt-für-Schritt-Anleitungen – zum Teil mit Video – vervollständigen Schuhbecks Gewürzschule zu einem multimedialen Kochlexikon.

Nachteil: Die Anleitungen sind zwar dank großer Schrift und eindeutiger Bildmotive auch über die Armlänge hinaus lesbar, lassen dadurch aber den Überblick vermissen, den eine Doppelseite im Kochbuch leisten kann.

Wie die Gewürze sind auch die Rezepte sehr aufwändig und appetitlich durchfotografiert. 90 Rezepte stehen in neun Kategorien zur Auswahl:

Vorspeisen und Kleine Gerichte
Suppen und Eintöpfe
Pasta und Reis
Gemüse und Beilagen
Fisch und Meeresfrüchte
Fleisch
Geflügel und Wild
Desserts
Gebäck und Konfekt

Jedes einzelne Rezept enthält eine Zutatenliste und eine Zubereitungsbeschreibung:

Sofern aus einer seiner TV-Auftritte vorhanden, stellt Schuhbeck das Rezept oder einen wichtigen Zubereitungsschritt – zum Beispiel "Zander filetieren" – als Video vor:

Eine nette Idee: Mehrere Rezepte können über einen "Einladen"-Button gesammelt und als Einladung zu einem Menü an Freunde als E-Mail verschickt werden:

Ebenso ist es möglich, sich die Zutaten eines Rezepts als Einkaufsliste darstellen zu lassen. Diese Option mag für die iPhone-Version sinnvoll sein, das iPad ist dagegen eher weniger supermarkttauglich.

Die Videorubrik der App zeigt noch einmal alle in den Rezepten oder Anleitungen verlinkten Videos auf einem Blick, zum Beispiel, "Gewürzsäckchen binden", "Hähnchenkeulen zubereiten" oder "Honig-Senf-Dill-Soße":

Fazit: Die App übernimmt mit 90 Rezepten mehr als die Hälfte aus Schuhbecks Buch "Meine Küche der Gewürze". 1,59 Euro (Einführungspreis im App Store) sind im Vergleich zum Buchpreis von 24,80 Euro ein gutes Angebot. Der Versuch aber, den Informationsgehalt eines Kochbuchs mit dem Unterhaltungswert einer TV-Kochshow zu verschmelzen, gelingt der Schuhbeck-App nur bedingt. Das ist aber ein generelles Problem, mit dem im Prinzip alle Kochbuch-Apps zu kämpfen haben. In der Küchenpraxis ist der Einsatz des iPads immer noch schwierig: Fettige oder mehlige Hände müssen mit einem Medium zurechtkommen, dass weniger griffig, aber anfälliger ist als ein Kochbuch.

Es gibt aber noch einen ganz anderen, emotionaleren Grund: Ein Kochbuch lebt wie ein alter Küchentisch. Der Charme liegt in den Gebrauchsspuren, den Fettflecken, Randnotizen und Eselsohren. Die iPad-Variante kann da allenfalls zur Vorbereitung der Küchenschlacht dienen.

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