Kompakt-Rezensionen : Von Tibet bis Little Italy

Der Spieleherbst beginnt, die sommerliche Durststrecke ist zu Ende. Tagesspiegel.de stellt drei Neuerscheinungen vor: Ein Abenteuer à la Indiana Jones, ein Echtzeitstrategiespiel und eine Mafia-Mär.

von
Über den Wolken... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein! In Point-and-Click-Abenteuer "Lost Horizon" macht sich der Glücksritter Fenton Paddock auf die Suche nach dem sagenumwobenen Ort Shambala.Alle Bilder anzeigen
Foto: Promo
08.09.2010 22:01Über den Wolken... muss die Freiheit wohl grenzenlos sein! In Point-and-Click-Abenteuer "Lost Horizon" macht sich der Glücksritter...

Lost Horizon
Er hangelt über gähnende Abgründe, nimmt es mit fiesen Schurken auf und hat immer einen coolen Spruch auf den Lippen: Fenton Paddock ist ein zweiter Indiana Jones. In dem Point-and-Click-Adventure "Lost Horizon" macht sich Glücksritter Fenton im Jahre 1936 auf die Suche nach dem sagenumwobenen Königreich Shambala im Himalaya-Gebirge. Auch die Nazi-Wissenschaftlerin Gräfin von Hagenhild will das Geheimnis lüften: Ein Wettlauf rund um den Globus beginnt. "Lost Horizon" besticht durch eine – trotz der zahlreichen Abenteurer-Klischees – ansprechende Story. Die genretypischen Kombinationsrätsel mögen für Adventure-Veteranen zu leicht geraten sein, für Einsteiger sind sie aber genau richtig. Vom Schmirgelpapier bis zum tibetischen Ziegenkot kann nahezu jedes Objekt verwendet werden – wer einmal nicht weiter kommt, kann sich über die Hilfefunktion nützliche Gegenstände anzeigen lassen. Ein Wermutstropfen sind die bisweilen hölzernen und nicht immer aufschlussreichen Dialoge. Fazit: "Lost Horizon" bietet 10 bis 15 Stunden gute Unterhaltung, reicht aber nicht an das ebenfalls von Animation Arts produzierte Abenteuer "Geheimakte Tunguska" heran.
Lost Horizon: Für PC. Preis: 40 Euro. USK: ab 12 Jahren. Demo-Version

Swords & Soldiers
Nur nicht täuschen lassen! Hinter dem durchaus martialischen Titel verbirgt sich ein turbulenter und weitgehend harmloser Spaß, den es jetzt auch für den PC gibt. "Swords & Soldiers" ist ein Echtzeit-Strategiespiel, das aber nicht aus der üblichen Vogelperspektive, sondern aus der 2D-Seitenansicht gesteuert wird. Die verfeindeten Lager befinden sich an beiden Enden eines langgezogenen Schlachtfeldes – Ziel ist, das gegnerische Hauptquartier zu erobern. Zur Auswahl stehen drei Völker in knallbunten Comic-Look: Wikinger, Azteken und Chinesen. Bevor der Spieler seine Kämpfer auf den langen und hindernisreichen Weg schicken kann, muss er sie durch Abbau von Gold finanzieren. Die zweite Ressource ist Mana und kommt bei allerlei magischen Spezialaktionen – Heilstrahlen, Schutzschilden, Schneestürmen – zum Einsatz. Sind die Soldaten erst einmal unterwegs, lassen sie sich nicht mehr stoppen. Das erfordert gutes Timing und einen planvollen Umgang mit den Ressourcen. Die kurzen, knackigen Duelle bringen frischen Wind ins Echtzeit-Genre, die abwechslungsreichen Missionen bergen eine Menge Herausforderungen. "Swords & Soldiers" lässt sich zu zweit im Splitscreen-Modus und online spielen, ein Karten-Editor fehlt bislang.
Swords & Soldiers: Für PC (30 Euro) und Wii (10 Euro). USK: ab 12 Jahren.

Mafia II
"Ich mache ihm ein Angebot, das er nicht ablehnen kann." Wer kennt sie nicht, die berühmte Szene aus "Der Pate", in der ein pausbäckiger Marlon Brando alias Don Vito Corleone Hof hält? Das Gefühl, zur Ehrenwerten Gesellschaft zu gehören, konnten Computerspieler bereits im Jahre 2002 auf dem PC erleben. In Sachen Story und Atmosphäre setzte "Mafia" seinerzeit Maßstäbe – "Mafia II", das soeben erschienen ist, muss sich daran messen lassen. Erzählt wird die Geschichte des jungen Italo-Amerikaners Vittorio Antonio Scaletta, der 1945 als Kriegsheld in die fiktive Großstadt Empire Bay zurückkehrt. Bei dem Versuch, die Schulden seines verstorbenen Vaters zu begleichen, gerät Vittorio auf die schiefe Bahn und unter den Einfluss der Mafia. Atmosphärisch weiß "Mafia II" zu überzeugen: Schon die nächtliche Ankunft in der verschneiten, hell erleuchteten Metropole ist sehr stimmungsvoll. Es macht Spaß, im edlen Oldtimer zu 50er-Jahre-Radiomusik durch die Straßen zu kurven. Allerdings gibt es in Empire Bay nicht besonders viel zu entdecken: Die prächtigen Hausfronten bleiben Kulisse, die Passanten ergehen sich in Floskeln. Die sehr lineare und etwas träge Haupthandlung bietet geschliffene und witzige Dialoge, allerdings bleibt die Hauptfigur Vittorio seltsam blass und unsympathisch. Wie nicht anders zu erwarten, steckt "Mafia II" voller Schießereien und Schlägereien und ist deswegen erst ab 18 Jahren freigegeben.
Mafia II: Für PC (50 Euro), PS3 und Xbox 360 (je 65 Euro).USK: ab 18 Jahren. Demo-Version

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben