Kurzkritiken : Berlin brennt – im Videospiel

Die Lage ist kritisch: Seit Monaten hat es in Brandenburg nicht geregnet, rund um Berlin wüten Waldbrände, nun erreicht die Feuerwalze die Stadt, erste Häuser gehen in Flammen auf. In "Emergency 2012" steht die Welt am Abgrund.

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Ruhe am Brandenburger Tor. Die Welt geht unter und Berlin ist mittendrin.
Ruhe am Brandenburger Tor. Die Welt geht unter und Berlin ist mittendrin.Screenshots: Quadriga Games

Emergency 2012

Vor dem Brandenburger Tor haben Rettungskräfte ein riesiges Zeltlager eingerichtet, um Flüchtlinge mit dem Nötigsten zu versorgen. Um die Stadt vor einer Katastrophe zu bewahren, muss der Gesamteinsatzleiter schnell und überlegt handeln, muss THW, Feuerwehr, Polizei und Sanitäter koordinieren. Zum Glück ist das nur eines von zwölf fiktiven Katastrophenszenarien aus dem gerade erschienenen PC-Spiel "Emergency 2012". Weitere Krisenherde sind die Kölner Innenstadt, wo ein gewaltiger Hurrikan den Dom zerstört hat, eine Sturmflut in Hamburg, ein atomarer Zwischenfall bei Frankfurt oder auch ein Lawinenunglück in Innsbruck. Um es kurz zu machen: Die Welt steht am Abgrund – der Spieler muss sie retten.

Emergency 2012 - Berlin brennt
Ruhe am Brandenburger Tor. Die Welt geht unter und Berlin ist mittendrin.Alle Bilder anzeigen
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30.10.2010 22:54Ruhe am Brandenburger Tor. Die Welt geht unter und Berlin ist mittendrin.

"Emergency 2012" stammt aus der Spieleschmiede Quadriga Games, die ihren Sitz in der Medienstadt Babelsberg hat. Quadriga-Chef Ralph Stock hat schon in den achtziger Jahren Spiele für den Commdore 64 entwickelt. Diese Erfahrung merkt man "Emergency 2012" an: Das Spiel ist optisch auf der Höhe der Zeit. Feuer, Explosionen und Wetterbedingungen wirken realistisch, und selbst wenn der Bildschirm nur so von Figuren und Fahrzeugen wimmelt, gerät die Vogelperspektiven-Grafik nicht ins Ruckeln. Spielerisch hat die "Emergency"-Reihe – der erste Teil erschien bereits 1998 – ihre Nische gefunden. Mit einem Mix aus Strategie und Simulation positioniert sich der Titel geschickt zwischen den zahllosen Kriegsstrategiespielen auf der einen und den ebenfalls inflationären Berufssimulationen auf der anderen Seite.

Die Reiz von "Emergency 2012" liegt im positiven Stress, den es dem Spieler zumutet. Ständig muss dieser zwischen verschiedenen Gefahrenherden hin- und herschalten, muss Einsatzkräfte einteilen und Menschen in Sicherheit bringen. Die Einsätze gilt es mit Bedacht zu planen. So muss in der Matterhorn-Episode erst einmal eine von herabstürzenden Felsen zerstörte Brücke repariert werden, ehe die Rettungskräfte zu den verschütteten Häusern vordringen können. Im Lauf der zwölf Missionen steigt der Schwierigkeitsgrad kontinuierlich an. Daneben gibt es auch einen freien Spielmodus mit zufallsgenerierten Einsätzen und einen Koop-Modus, in dem man gemeinsam mit Freunden Rettungseinsätze leiten kann. "Emergency 2012" mag gegenüber actionlastigen Großproduktionen etwas nüchtern wirken, bietet Fans detaillierter Rettungssimulationen aber einen hohen Wiederspielwert.

"Emergency 2012" für PC. Preis für die Standard-Version: rund 40 Euro. Deluxe-Version mit 15 Missionen: 50 Euro. USK: ab 12 Jahren. Zur Demo-Version

Neu bei "Rock Band 3": das Keyboard.
Neu bei "Rock Band 3": das Keyboard.Screenshot: Electronic Arts

Rock Band 3

Seit Jahren liefern sich die Musikspiel-Serien "Rock Band" und "Guitar Hero" ein Rennen um die Gunst der Plastikgitarren-Gemeinde. Ständig erscheinen neue Ableger, sei es nun zu den Beatles oder Green Day (Rock Band), zu Metallica oder Van Halen (Guitar Hero). Mittlerweile gibt es eine Unzahl von Instrumenten-Controllern und mehrere tausend nachspielbare Songs zum Herunterladen. Der ständige Nachschub ist für die Publisher natürlich ein Riesengeschäft, führt aber leider auch dazu, dass wirkliche Neuerungen immer seltener werden.

Nun tritt also "Rock Band 3" an, das Gegenteil zu beweisen. Neben Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang unterstützt das Spiel zum ersten Mal einen Keyboard-Controller. Das Instrument spielt sich wie üblich über die fünf farbigen Tasten, die im Rhythmus der auf dem Bildschirm vorbeifliegenden Farbpunkte gedrückt werden müssen. Das Keyboard wird wahlweise wie eine Gitarre umgehängt oder auf einem Ständer platziert. Allerdings kommt nur in 63 der 83 neuen Songs überhaupt ein Keyboard vor. Und in den 63 Songs spielt der Keyboarder bisweilen eine langweilige Statistenrolle. Immerhin hat Hersteller Harmonix passende Musikpakete angekündigt, zum Beispiel ein Track Pack mit Songs von Billy Joel.

Die eigentliche Neuerung von "Rock Band 3" ist jedoch der sogenannte Pro-Modus. Vom bloßen Tastendrücken geht das Spiel damit einen ordentlichen Schritt in Richtung echtes Musizieren. Ein Beispiel ist das bereits erwähnte Keyboard: Statt fünf können im Pro-Modus alle 25 Tasten bedient werden. Darüber hinaus kommen zwei Gitarren auf den Markt, die mit Plastiksaiten ausgestattet sind, sowie ein Schlagzeug mit zusätzlichen Becken und Hi-Hat. Wie nicht anders zu erwarten, wird "Rock Band 3" damit bedeutend anspruchsvoller und erfordert viel Übung. Worauf sich die Frage stellt, ob man bei einem echten Instrument nicht besser aufgehoben ist.

"Rock Band 3" für PS3 und Xbox 360 (je 60 Euro), Nintendo DS (30 Euro) und Wii (50 Euro). USK: ohne Altersbeschränkung.
Das Paket aus Spiel und Keyboard-Controller gibt es ab etwa 110 Euro. Das Keyboard allein kostet rund 80 Euro, das Pro-Schlagzeug 120 Euro.

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