Videospiele : Let’s Rock

Musik, Sport, Geschicklichkeit: Neue Spiele für Playstation 3, Xbox 360 und Nintendo Wii.

Achim Fehrenbach,Kurt Sagatz
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Runter von der Couch. "Tony Hawk: Ride" bringt ein eigene Skateboard mit.Foto: Promo

Runter vom Sofa: Dieser Aufruf gilt in diesem Jahr für alle Videospiele-Konsolen. Ob nun Playstation 3 von Sony, Xbox 360 von Microsoft oder Nintendo Wii – für jede der drei Plattformen werden inzwischen Zusätze angeboten, um die Trennung zwischen Simulation und Realität noch durchlässiger zu machen. Allerdings gelingt dies längst nicht immer in zufriedenstellender Weise. Wir haben die interessantesten Spiele ausprobiert.

BESSER ALS JEDE LUFTGITARRE
Manch einer mag sich angesichts von „Band Hero“ verwundert die Augen reiben. Gerade mal ein Vierteljahr ist es her, dass Activision „Guitar Hero 5“ auf den Markt brachte. Tatsächlich unterscheidet sich die beiden Titel auf den ersten Blick kaum voneinander. Auch bei „Band Hero“ müssen die Musikstücke möglichst präzise nachgespielt werden. Auch der Multiplayer-Modus mit Gitarre, Bass, Schlagzeug und Gesang ist hinlänglich bekannt. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch in der Musikauswahl: „Band Hero“ setzt auf Mainstream-Pop statt Rock. Die Schar der rund 65 Interpreten reicht von No Doubt bis Duran Duran, von Robbie Williams bis Roy Orbison. Gerade wegen des Weichspülfaktors ist „Band Hero“ ein partytaugliches Spiel, das besonders Neueinsteiger begeistern kann. Den Titel gibt es für Playstation 3, Xbox 360 und Wii für 69,99 Euro, im Bundle mit den Instrumenten inzwischen ab 99 Euro.
Was DJs an ihren Plattentellern veranstalten, ist eine Wissenschaft für sich. Mit dem Spiel „DJ Hero“ können Laien nun nachempfinden, welche Leistungen ihre Disko-Götter an den Turntables vollbringen. Das Wichtigste aber ist: „DJ Hero“ macht richtig Spaß. Spielziel ist, abgemischte Tracks möglichst fehlerfrei nachzumischen. Der Controller ist einem Plattenteller nachempfunden und lässt sich auch für Linkshänder einrichten. Wer besonders gut abmischt, wird mit einer „Rewind“-Option belohnt: Er kann den Plattenteller ein Stück zurückdrehen und noch mehr Punkte scheffeln. Die Steuerung erfordert eine Menge Koordination, geht aber dank des guten Tutorials schon bald flüssig von der Hand. Großen Anteil am Spielspaß haben die insgesamt 93 Songmixe: Hier trifft unter anderem 50 Cent auf David Bowie und Daft Punk auf die Rockgruppe Queen. Der positive Gesamteindruck wird nur durch die Tatsache geschmälert, dass man als „DJ Hero“ – anders als ein richtiger DJ – nicht wirklich kreativ sein kann. Für Playstation 3, Xbox 360 und Wii. Ab 47 Euro (Wii) inklusive Turntable-Controller.

AUF DEN SPUREN DER POPSTARS
Man mag von „Popstars“ und „Superstars“ halten, was man will, mutig sind ihre Auftritte in jedem Fall. Wie viel Courage dazu gehört, zeigt das Karaoke-Spiel „U-Sing“ für Nintendo Wii. Dabei ist es noch verhältnismäßig einfach, Lieder wie „California Dreamin’“ von The Mamas & Papas oder „Do you really want to hurt me“ von Culture Club zu intonieren. Doch spätestens bei Songs wie „I will survive“ von Gloria Gaynor oder „Dance with Somebody“ von Mando Dia kommen ungeübte Sänger ins Schleudern. Immerhin dürfte es für jeden Spieler unter den insgesamt 30 Songs mindestens zwei, drei Titel geben, die in puncto Tempo und Tonhöhe passen. Um Hemmschwellen abzubauen, können die Songs mit ihren Originalvideos zuvor im Jukebox-Modus abgespielt werden. Wer Probleme mit der Texttreue hat, kann auch durch Mitsummen zu relativ guten Ergebnissen gelangen. Um den musikalischen Wettbewerb interessanter zu machen, gibt es neben dem Solo-Modus einen Duo-, Duell- sowie Kampf-Modus. „U- Sing“ kostet ohne Mikro rund 40 Euro, das Bundle gibt es für rund 50 Euro. Auf Geschicklichkeit kommt es bei den Jump-’n’-Run-Titeln an.
Die Geschichte von Mario begann bekanntlich in den 80er Jahren, als der Klempner Mario und sein Bruder Luigi die erste Rettungsmission von Prinzessin Peach, die von Bösewicht Bowser entführt wurde, starteten. Seither gab es für jede neue Nintendo-Konsolengeneration ein Neuauflage des Klassikers, die ähnlich wie bei James-Bond-Filmen immer den letzten Stand der technischen Möglichkeiten repräsentierte. Auch in „New Super Mario. Bros“ (rund 72 Euro) gibt es einige neue Techniken und Tricks, doch im Mittelpunkt steht ein Wiedersehen mit dem Helden der 80er Jahre. Viele der Level sehen zwar auf den ersten Blick bekannt aus, doch einfaches Nachspielen aus der Erinnerung ist nicht möglich. Schließlich gab es damals weder einen Propelleranzug, noch eine Taschenlampe und schon gar keine Bewegungssteuerung à la Wii, mit der geheime Zwischenwelten erreicht werden können.
Wer es ganz sportlich mag, kann für die Wii unter zwei gelungenen Titeln auswählen. „Wii Fit Plus“ bietet im Zusammenspiel mit dem „Balance Board“ (als Bundle mit dem Spiel für rund 88 Euro) Übungen wie Yoga und Muskeltraining an. Das Spiel „Wii Sports Resort“ (rund 38 Euro) wird mit einem Aufsatz (Motion Plus) für den Controller verkauft, der eine genauere Steuerung zum Beispiel beim Bogenschießen, Golf oder Frisbee (insgesamt zwölf Sportarten) erlaubt. Eine gute Investition für alle Wii-Spieler ist übrigens die Thrustmaster-Ladestation „T-Charge“ zum kabellosen Aufladen von zwei Controllern (inklusive Akku-Packs für rund 40 Euro), die ihren Strom von einer der beiden USB-Anschlüsse erhält.

SKATEBOARDEN OHNE BLAUE FLECKEN
Blaue Flecken, Prellungen, aufgeschürfte Knie: Diese Begleiterscheinungen des Skateboardfahrens gibt es mit „Tony Hawk: Ride“ nicht. Der mitgelieferte Controller sieht einem echten Skateboard täuschend ähnlich – allein, es fehlen die Rollen. Dafür ist das Brett an allen vier Seiten mit Infrarotsensoren ausgestattet. Sie messen, wie sich der Spieler auf dem Board bewegt. Diese Daten werden per Funk an die Konsole übermittelt. Die ersten Skateversuche sind vielversprechend: Ein leichtes Scharren mit dem Fuß, und schon nimmt der Spieler ordentlich Fahrt auf; eine schnelle Gewichtsverlagerung auf das Boardende, und schon erleben wir einen eleganten Sprung. Doch leider hat die Skaterherrlichkeit bald ein Ende – wenn vom Casual-Modus in den Normal-Modus gewechselt wird. Nun muss selbst gesteuert werden. Leider erweist sich das Board als viel zu schwerfällig für dosierte Lenkmanöver. Außerdem messen die Sensoren häufig nicht das, was sie sollen. Die Folge: Jede Menge Frust. Verstärkt wird dieses Gefühl durch eine komplizierte Menüführung, lange Ladezeiten und einfallslos gestaltete Level. „Tony Hawk: Ride“ ist ein Experiment, das nicht wirklich funktioniert. Nur im Casual-Modus macht das Trockenskaten richtig Spaß. Für Playstation 3, Xbox 360 und Wii für 119,99 Euro inklusive Skateboard-Controller.

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