Medien : Ganz nah dran

NAME

Die Fernsehduelle zwischen Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und seinem Unions-Herausforderer Edmund Stoiber werden von einer „Kommission zu den Kanzler-Debatten“ begleitet. Sie folgt der US-amerikanischen „Commission on Presidential Debates“. Diese überparteiliche Non-Profit-Organisation gestaltet, koordiniert, entwickelt und veranstaltet seit 1987 sämtliche Fernsehdebatten im Rahmen der US-Präsidentschaftswahlen. Parallel wird eine umfangreiche Begleitforschung durchgeführt. Dieses Vorbild greift die deutsche „Kommission zu den Kanzler-Debatten“ auf.

Sie wird von fünf medien- und politikwissenschaftlichen Instituten getragen und von folgenden Mitgliedern repräsentiert: Für den Deutschen Fernsehpreis ist der Juryvorsitzende Lutz Hachmeister dabei, Bernd Gäbler vertritt das Adolf Grimme Institut, Claus Leggewie das Zentrum für Medien und Interaktivität der Universität Gießen, Christine Landfried das Institut für Politikwissenschaft der Uni Hamburg.

Roland Schatz vom Bonner Institut für Medienanalysen, der Herausgeber des „Medientenor“, verspricht eine neuartige Form der empirischen Synchronanalyse. Unmittelbar nach den beiden Duellen am 25. August und 8. September will die Kommission schon Charts mit Daten über den Anteil der Sachpolitik, der Aussagen von Schröder und Stoiber zum jeweiligen politischen Gegner und der Fairness der Fragen vorlegen.

Die medienkritische und politikwissenschaftliche Auswertung wird die „Kommission zu den Kanzler-Debatten“ gemeinsam mit dem Tagesspiegel in öffentlicher Diskussion in Berlin vornehmen. Die dabei gewonnenen Ergebnisse und Erkenntnisse wird diese Zeitung umfassend dokumentieren. Der Deutschlandfunk wird beide Veranstaltungen, am 25. August und am 8. September, live ab 21 Uhr 30 übertragen.

Die Kommission betont in einer Erklärung aller Mitglieder ihre Unabhängigkeit: „Wir sind von niemandem beauftragt und niemandem verpflichtet. Unsere Aktivitäten richten sich nicht gegen die Fernsehsender oder konkurrierenden Parteien, sondern sind kritische Anmerkungen für die Öffentlichkeit, Vorschläge für den Diskurs, Denkanstöße für alle Wähler, die nicht allein Zuschauer bleiben wollen.“ Die individuellen Fähigkeiten zu medienkritischer Analyse, politikwissenschaftlicher Reflexion und empirischer Forschung sollen gemeinsam eingesetzt werden, „um die Fernsehduelle und den Medienwahlkampf kritisch zu begleiten, zu analysieren, zu bewerten“. Joachim Huber

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben