Medien : Ganz oben

Arte-Themenabend als Hommage an den Reporter Günter Wallraff

Thomas Gehringer

Sie waren Lieblingsgegner: Heinz Klaus Mertes, konservativer „Report“-Redakteur, und Günter Wallraff, der durch falsche Identitäten getarnt unter anderem hinter die Kulissen der „Bild“ blickte. Einmal wollte Mertes Wallraff mit den eigenen Waffen schlagen, was damit endete, dass Wallraff ihm bei einer Veranstaltung den falschen Schnurrbart aus dem verdutzten Gesicht pflückte und dem Publikum triumphierend präsentierte. So lustig kann Journalismus sein.

„Er hatte einen Narren an mir gefressen“, sagt Wallraff in „Rollenspiele“ (Arte, Donnerstag, 23 Uhr 40) über Mertes. Das Porträt von Udo Prenzel und Martin Hilbert ist der Kern eines Themenabends, den Arte dem „legendären Autor Wallraff“, so die Ankündigung, widmet. Es ist eine Art Ehrerbietung geworden. Doch der Film, in dem auch seine dritte Ehefrau und die beiden erwachsenen Töchter zu Wort kommen, klebt allzu sehr an der Vergangenheit: Wallraff hat sich publizistisch weitgehend zurückgezogen, krank und zermürbt von den Auseinandersetzungen um seinen investigativen Bestseller „Ganz unten“, wie die Autoren nahe legen. Doch in ihrem Film präsentieren sie Wallraff, der immer noch auf Lesereisen geht und sich für ein Hilfsprojekt in Afghanistan engagiert, als ruheloses Ausdauerwunder. Er joggt, paddelt und schwimmt quer durch den Rhein. Was treibt ihn heute um? Darüber hätte man gerne mehr erfahren.

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