Medien : Ganz weit voraus – und wieder zurück

Tom Peuckert

In naher Zukunft wird die Nanotechnologie das sein, was die Gentechnik noch bis gestern gewesen ist. Ein Lieblingsthema der Medien, das bis in die Feuilletons hinein Anlass zu Wunschträumen und apokalyptischen Ängsten gibt. Autor Geseko von Lüpke hat sich in die Labors der Nanotechnologen begeben. Sein Feature „Die große Angst vor dem ganz Kleinen“ bilanziert aktuelle Hoffnungen und Befürchtungen. Wer die extrem miniaturisierte Welt unter seine Kontrolle bringt, wird sich demnächst wie ein richtiger Zauberer aufführen können. Medizinische U-Boote, die durch menschliche Körperzellen schippern. Aber auch Waffen, deren Vernichtungsmacht alle bisher geträumten Alpträume blass aussehen läßt (Deutschlandradio Kultur, 29. Juni, 19 Uhr 30, UKW 89,6 MHz).

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Immer dienstags kommen die einsamen Frauen in die Wohnung des Junggesellen. Dort finden sie nicht Liebe, sondern einen grausamen Tod. Sie werden geschlachtet und am Mittwoch kocht die böse Mutter aus ihnen eine nahrhafte Mahlzeit. „Dienstag“ heißt das bizarre Hörspiel-Märchen von Helmut Krausser, das von einer schrecklichen Mutter und ihrem willensschwachen Sohn erzählt. Beide leben in alptraumhafter Symbiose, immer dienstags wird ein Lustmord zelebriert. Bis eines Tages Elke auf den Plan tritt. Eine furchtlose Frau, die stets ein kleines Damenbeil in ihrer Handtasche trägt (Kulturradio, 30. Juni, 22 Uhr 04, UKW 92,4 MHz).

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Beim Deutschlandradio werden im Juli die Rias-Archive geöffnet. Manche Preziose der Radiogeschichte West-Berlins kommt erneut ans Licht. Darunter auch die Krimis mit Prof. Dr. Dr. Dr. Augustus van Dusen, dem berühmten Detektiv. Gemeinsam mit seinem Assistenten Hutchinson Hatch ermittelt van Dusen in spektakulären Milieus der vorletzten Jahrhundertwende. Zum Auftakt führt Autor Michael Koser in die New Yorker High Society. Der Titel verrät den ernsten Hintergrund: „Professor van Dusen und die verschwundenen Millionäre“ (Deutschlandradio Kultur, 2. Juli, 15 Uhr 05).

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Tankred Dorsts Hörspiel „Parzivals Weg“ erzählt aus der Sagenwelt um König Artus. Ritter Parzival ist ein Urbild des männlichen Helden, der über die Erde zieht, um den wahren Gott und das echte Paradies zu finden. Während Richard Wagner seinen Parzival noch mit edler Einfalt austattete, wird er bei Dorst zum Triebtäter eines realitätsbIinden Egoismus. Ein paranoider Fundamentalismus treibt den Ritter, seine Suche wird zum Exzess der Gewalt (SWR 2, 2. Juli, 16 Uhr 05, Kabel UKW 107,85 MHz)

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Heuschrecken sind böse Tiere. Früher stürzten sie ganze Reiche in Hungersnot, heute geistern sie als gefräßige Gespenster durch den Wirtschaftsdiskurs. Hinter der Metapher verbergen sich in der Regel so genannte Hedgefonds. Internationale Finanzinvestoren, die ausschließlich am Börsenwert eines Unternehmens interessiert sind. Kaufen, radikal optimieren und sofort weiterverkaufen – darauf gründet sich der schlechte Ruf dieser Glücksritter des Globalkapitalismus. Autor Conrad Lay analysiert Mythos und Wirklichkeit der ökonomischen Spezies. „Die Invasion der Hedgefonds“ heißt sein Feature (Deutschlandradio Kultur, 3. Juli, 19 Uhr 30).

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