GAS GEBEN : Im Elchtest

Die Krise trifft die Automagazine heftig. Trotzdem wagt „Intersection“ den Start

Sonja Pohlmann
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Einen Neustart auf dem Markt der Automagazine legt jetzt die deutsche Ausgabe der „Intersection“ hin und will mehr bieten als...

Eine schöne, junge Frau sitzt auf der Motorhaube des Sportwagens, zwischen ihren leicht gespreizten Beinen prangt der Mercedes-Stern – besser als mit diesem Titelblatt kann das Klischee eines Automagazins nicht bedient werden. Aber natürlich ist die Frau auf dem Cover kein Bikini-Girl, sondern trägt den hochgeschlossenen Anzug des angesagten Designers Alexander McQueen, und die Haube, auf der sie sitzt, gehört zum 300er SLR, Preis: 750 000 Euro.

Denn „Intersection“ spielt zwar mit den Klischees von Automagazinen, will aber Geschichten jenseits von Tests, Technik und Tuning bieten. „Es geht bei uns um das Zusammenspiel von Mensch und Maschine, mit Reportagen, Interviews, Foto- und Modestrecken widmen wir uns all dem, was zum Thema Mobilität und Fortbewegung gehört“, sagt Chefredakteur und Herausgeber Götz Offergeld, der die ursprünglich aus England stammende „Intersection“ jetzt nach Deutschland geholt hat – mitten in die größte Krise hinein, die der Markt der Automagazine wohl je erlebt hat.

Erst vergangene Woche hatte die Motor Presse Stuttgart, die mit „Autor Motor Sport“ eines der erfolgreichsten Blätter in dem Segment herausgibt, eine Streichung von 42 Stellen und die Schließung des Standorts Berlin verkündet. Der Grund: „Die Automobilindustrie leidet unter der Krise besonders stark, das bekommen die Motormagazine besonders heftig zu spüren. Das Anzeigengeschäft ist um etwa 30 Prozent eingebrochen“, sagt Sprecher Stefan Braunschweig. Wenn überhaupt, dann würden die Werbebudgets in Anzeigen bei Tageszeitungen und Radiosendern stecken, um die Fahrzeuge schnell vom Hof zu bekommen. In große Imagekampagnen würde dagegen kaum noch investiert.

Doch so schwer die Situation im Anzeigengeschäft ist, die Automagazine profitieren auch von den Folgen der Krise: „Durch die Abwrackprämie ist der Informationsbedarf gestiegen“, sagt Hans Hamer, Verlagsgeschäftsführer Auto und Sport. So konnte Marktführer „Auto Bild“ seine verkaufte Auflage im ersten Quartal 2009 um 0,57 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal steigern und liegt jetzt bei knapp 647 000 verkauften Exemplaren. Die Auflage von „Auto Bild Motorsport“ sank jedoch in den vergangenen Jahren, wohl auch, weil das allgemeine Interesse an der Formel 1 nach Michael Schumachers Ausstieg zurückging. Das Konzept der Motorsport-Ausgabe wurde deshalb jetzt verändert, ab Freitag erscheint sie als „Heft im Heft“ in der „Auto Bild“, damit wöchentlich statt 14-tägig und in einer fast zehnmal so hohen Auflage wie zuvor.

Götz Offergeld, der das Mode-, Kultur- und Lifestyle-Magazin „Liebling“ gründete, sich aber 2007 nach Differenzen mit Herausgeber Markus Peichl zurückzog, hat sich mit „Intersection“ bewusst für den Start in der Krise entschieden. „Wir wollen zeigen, dass es auch und gerade jetzt in der Automobilindustrie Kreativität, Mut und Verantwortungsbewusstsein gibt“, sagt er. Seit Mittwoch liegt die Ausgabe zum Preis von fünf Euro in einer Druckauflage von 60 000 Stück am Kiosk. Zwar dreht sich im Heft alles irgendwie um Autos und Mobilität – aber eher beiläufig. Im Vordergrund stehen, ähnlich wie im bereits seit 2007 erscheinenden Magazin „ramp“, die Themen Design, Mode und Lifestyle. Die Fahrzeuge dienen nur als eine Art Schnittstelle. Kreuzung, das heißt „Intersection“ übersetzt. So erzählt DJ Hell, der eigentlich einen Kia testen soll, darauf aber „keinen Bock“ hat und lieber seinen Ford Mustang Baujahr 1965 aus der Garage holt, dass er seine neuen Musikstücke immer im Auto testet. „American Psycho“-Autor Bret Easton Ellis erinnert sich daran, warum er nackt einen Ferrari zu Schrott fuhr, und Musiker Pharell Williams stellt mit dem japanischen Mode-Star Nigo die gemeinsame Sommerkollektion vor. Ein solches Heft dürften nicht nur Männer, sondern auch Frauen mögen. Denn selbst wenn sich die Stücke um das Thema Auto drehen, entstehen dabei letztendlich Geschichten, die mehr über die Menschen als die Maschinen erzählen.

Fünf Leute arbeiten in der Berliner Redaktion, viele der Geschichten kommen von freien Autoren. Die deutsche „Intersection“ profitiert von dem internationalen Netzwerk. Nach dem Start in England erscheint das Magazin inzwischen unter anderem auch in Australien, Frankreich und Japan. Die nächste Ausgabe ist für September geplant, je nach Marktsituation will Offergeld „Intersection“ vier bis sechs Mal pro Jahr herausgeben. Finanzieren soll sich das Blatt über Anzeigen, Cross-Media-Aktionen und den Verkauf. Offergeld glaubt trotz der Krise an den Erfolg von „Intersection“, das sich nach seiner Ansicht als „,,Gala’ für Männer“ durchsetzen wird. Auch ohne nackte Frauen.

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