Gazeteler Rückblick : Von Angst und Jugendgewalt

Die meisten Berichte in der Europa-Ausgabe der Hürriyet sind aus Deutschland. Doch ab und zu erfährt der Leser auch, wie es den Türken anderswo in Europa so geht. „Dönerverkäufer blamiert englische Ministerin“, titelte die Hürriyet beispielsweise am Dienstag.

Suzan Gülfirat

„Nachdem die englische Ministerin Jacqui Smith gesagt hatte, dass sie die Nächte in London unheimlich findet“, versucht sie, ihre Worte durch einen nächtlichen Ausflug zu relativieren. Ausgerechnet ein Dönerverkäufer straft sie Lügen, schreibt die Zeitung sinngemäß weiter.
Im Text wird deutlich, was an dieser Geschichte interessant ist. „Innenministerin Jacqui Smith erntete heftige Kritik, nachdem sie sagte, dass sie nie auf die Idee gekommen wäre, alleine in den Bezirk Hackney zu gehen. Daraufhin ließ sie durch einen Sprecher mitteilen, dass sie im Stadtteil ein Döner gegessen habe“, schrieb die Hürriyet. Allerdings habe der Dönerverkäufer bestätigt, dass die Politikerin mit einem Beschützer gekommen sei.

Unter dem Text erschien ein zweiter Bericht, der dem Leser zeigen sollte, wie es Türken in der englischen Stadt ergeht. „In London wurden in den letzten sechs Monaten drei türkische Jugendliche umgebracht“, lautete die Überschrift.

Am Freitag behandelte die Hürriyet auf ihrer Titelseite wieder die Jugendgewalt in Deutschland. „U-Bahn-Schläger ist in Haft, der Migrantentöter sitzt zu Hause“, titelte die Zeitung. Der Bericht stammt dieses Mal aus Köln. Seit Tagen gehen dort hunderte Jugendliche auf die Straße und fordern auf Transparenten „Gerechtigkeit“. Vor zehn Tagen sollen zwei ausländische Jugendliche dort, wo jetzt ein Meer aus Blumen und Kerzen entstanden ist, zwei Deutsche Jugendliche überfallen haben. Das Tragische an der Geschichte ist, dass die ausländischen Jugendlichen unbewaffnet waren und einer der überfallenen Jugendlichen ein Messer dabei hatte, das er im Laufe der Handgreiflichkeiten eingesetzt haben soll. Dabei kam einer der ausländischen Jugendlichen ums Leben. Die Polizei ließ den Deutschen zunächst frei, weil die Tat aus Notwehr geschehen sei.

„Die Prostete hören nicht auf“, schrieb die Hürriyet zuletzt am Sonntag. Auf den Bildern waren hunderte Jugendlicher zu sehen. Sie stehen vor dem Blumenmeer und beten oder sie halten Transparente hoch. „Jeden Tag reden wir mit ihnen, dass die Ermittlungen andauern“, sagt die Polizei. Über diese Prosteste berichteten bisher nur die Hürriyet und die Kölner Zeitungen.

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