Medien : Gedopte Gäule

Pferdesport droht Aus im Fernsehen

Michael Rossmann (dpa)

Der Pferdesport steht am Scheideweg, was die Übertragungen im Fernsehen angeht. Nach einem halben Dutzend positiver Proben bei den Olympischen Spielen fordern die öffentlich-rechtlichen Sender eine intensivere und transparentere Dopingbekämpfung. „Das Fernsehen steigt aus, wenn die Akzeptanz beim Zuschauer nicht mehr da ist“, sagte ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. „Wir haben darauf hingewiesen, dass man aufpassen muss, nicht in den Sog des Radsports zu kommen.“ Stiegen ARD und ZDF tatsächlich aus, würde es unweigerlich eine Kettenreaktion mit Turnierabsagen und einem Zusammenbruch des Reitsportmarktes geben.

„Es gibt kein Ultimatum“, erklärte Balkausky, „aber wir schauen uns genau an, was passiert.“ Die vom deutschen Reiterverband FN und von den großen Turnierveranstaltern angekündigte Verschärfung im Kampf gegen Doping und Manipulation sei „der richtige Weg“, aber noch lange nicht das Ende.

So wie beim Radsport wäre der Ausstieg von ARD und ZDF im Pferdesport das Ende fast aller großen deutschen Veranstaltungen. Ohne TV-Übertragungen und die davon abhängigen Sponsorenverträge sind die Millionenetats nicht zu bezahlen. „Das ganze System würde relativ schnell zusammenstürzen“, sagte Volker Wulff, einer der größten Turnierveranstalter. Acht deutsche Turniere stehen 2008 auf dem Programm von ARD und ZDF, knapp 20 Veranstaltungen laufen jährlich in den dritten Programmen. Wie die Übertragungen 2009 aussehen, steht nach Balkauskys Angaben noch nicht fest. Problematisch ist die TV-Situation für den Reitsport ohnehin, weil die Quoten schlecht sind. Im Hauptprogramm wird nur ganz selten ein zweistelliger Marktanteil erreicht.

   Bei 5 der 20 getesteten Springpferde hatte es bei den Olympischen Spielen positive Proben mit anschließender Einstufung als verbotene Medikation gegeben, darunter bei Christian Ahlmanns Cöster. „Ein Viertel, das lässt den Verdacht aufkommen, dass es systematisch ist“, sagte Balkausky. Er forderte Klarheit und Transparenz sowie „eine klare Haltung – das, was dem Radsport immer gefehlt hat“. Sei das nicht gegeben, „dann ist es schwer zu erklären, warum ein öffentlich-rechtlicher Sender überträgt“. Michael Rossmann (dpa)

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