Medien : Gefühle pur: RTL 2 zeigt Bollywood-Kino

Annika Müller

Bisher galten Produktionen aus Bollywood, der indischen Filmfabrik, als nicht vereinbar mit deutschen Sehgewohnheiten. Zu süß und schwer liegen Kostproben des unverfälschten indischen Kinos dem westlichen Zuschauer im Magen. Ausgerechnet der Big-Brother-Sender RTL 2 fordert sein Publikum nun zur besten Sendezeit mit der indische Megaproduktion „In guten wie in schweren Tagen“ heraus. Das Experiment könnte sich lohnen – für die Zuschauer wie für den Sender: 1000 Spielfilme wirft die indische Filmindustrie pro Jahr auf den Markt. „Wir haben dort Perlen gefunden, wo andere noch nicht gesucht haben“, so RTL-2-Chef Josef Andorfer.

„In guten wie in schweren Tagen“ hat sein Potenzial schon bewiesen: In untertitelter Fassung lief es als „Sometimes Happy Sometimes Sad“ im April 2003 erfolgreich in den deutschen Kinos und brachte Regisseur Karan Johar als ersten indischen Filmemacher in die Top Ten der US-Kinocharts. Eine unstandesgemäße Liebe, ein verstoßener Sohn, ein gebrochenes Mutterherz, eine Bruderliebe und wunderschöne Mädchen – das ist der große Stoff, aus dem Johar ein fantastisch-episches Melodram strickt. Dabei zieht er Register, die im westlichen Film als Kitsch verpönt, im indischen Kino aber unabdingbar sind: Kraftvolle Gefühlsdarstellungen und ein tränenreiches Happy-End. Gewichtige Worte werden mit Donner untermalt; wird getrauert, regnet es in Bollywood.

Die Tanz- und Gesangsnummern führen immer wieder aus der Handlung heraus in surreale bonbonbunte Szenerien. In üppigen Kostümen wirbeln die Darsteller, indische Superstars aus drei Generationen (Shah Rukh Khan, Amitabh Bachchan, Kajol), durch die aufwendig dekorierte Kulisse. Wer den kritischen Verstand für dreieinhalb Stunden – in Indien die normale Filmlänge – abstellt, kann sich berauschen an der opulenten Bilderflut, der ergreifenden Dramatik und der mitreißenden Musik.

„In guten wie in schweren Tagen“, RTL 2, 20 Uhr 15

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