Medien : Gegenattacke

ZDF-Chefredakteur: Bond bei Pro7 war Bruch der Duell-Vereinbarung

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Die ARD hat das TV-Duell mit 10,9 Millionen Zuschauern gewonnen, das ZDF erreichte nur 4,36 Millionen.Woran hat’s gelegen?

Auch wenn das Ergebnis für uns schmerzlich ist: Herzlichen Glückwunsch an die ARD! Der gestrige Abend bestätigt die alte Erfahrung, dass bei paralleler Ausstrahlung eines Programms die ARD von der Gnade des ersten Knopfs profitiert. Ansonsten haben wir bei den Wahlsendungen die Nase vorn .

Pro 7 setzte mit der TV-Premiere des Bond-Films „Die Welt ist nicht genug" auf ein attraktives Gegenprogramm. Ein unfreundlicher Akt des Privatsenders?

Pro 7 hat eine klare Vereinbarung gebrochen. Es war abgemacht, das TV-Duell nicht mit einem herausragenden Gegenprogramm zu attackieren .

Das neue Fernsehformat des TV-Duells hat sich beim Publikum durchgesetzt. Zu welchen Anlässen sollte es wieder eingesetzt werden?

Bei allen Ereignissen von nationaler Bedeutung. Gerade die Strenge der Regeln zwingt zu gedanklicher und sprachlicher Disziplin. Vernünftig angewandt lassen sie auch Streit, Konfrontation, Dialoge und Spontaneität zu. Am Format aber muss noch gearbeitet werden.

Mit dem TV-Duell haben die übrigen Wahl-Formate wie die „Elefantenrunde" deutlich an Bedeutung verloren, oder?

Nein. Die Wahlsendungen des Jahres 2002 haben im Vergleich zu den Programmen 1998 nur unwesentlich an Zuschauerinteresse eingebüßt. Die Elefantenrunde 2002 wurde im ZDF von 3,28 Millionen Zuschauern gesehen. Im Wahljahr 1998 waren es 3,7 Millionen. Leider haben sich die beiden größten Elefanten nicht mehr in diese Runden gesetzt.

Jenseits der Politik: Welche Themen eignen sich noch für das Duell-Format?

Vor allem Grundsatzfragen, die die Gesellschaft brennend interessieren. Mir scheint die Zeit der Beckmesser bald vorbei. Den Bürgern fehlt die Diskussion um Grundsätze, nach denen sich praktische Politik richtet .

Das Interview führte Joachim Huber.

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