Medien : Geheimtipp zum Gruseln: Donnie Darko

Marc Felix Serrao

Ein junger Mann wacht auf dem Golfplatz auf. Verstört blinzelt er in spöttische Altherrengesichter: „Ein Schlafgolfer!“ Der junge Mann steht auf. Erst jetzt sieht er die Zahlen auf seinem Unterarm: „28:6:42:12“ steht dort dick mit schwarzem Filzstift geschrieben. Was der Zuschauer schon weiß: Es ist eine Zeitangabe. In 28 Tagen, 6 Stunden, 42 Minuten und 12 Sekunden wird die Welt untergehen. Mehr weiß er nicht, und wenn der Film zu Ende ist, weiß er noch weniger.

TV-Premieren kommen und gehen. Selten dürfte ein Film gerade von jungen Cineasten so herbeigesehnt worden sein wie „Donnie Darko“. Einer der dunkelsten und skurrilsten Filme der letzten Jahre, irgendwo zwischen „Alice im Wunderland“, dem „Fänger im Roggen“ und David Lynch. Zugleich einer der wenigen guten Filme über das Erwachsenwerden; über die zarte Verklemmtheit der ersten Liebe, die Brutalität von Teenagern, die Hilflosigkeit von Lehrern, den Versuch einer Rebellion. Die Ausgangslage ist schnell erzählt: Der 16-jährige Donald „Donnie“ Darko ist ein gewöhnlicher amerikanischer Vorstadtjugendlicher, der sich mit seiner Familie streitet, unbeholfen mit der neuen Mitschülerin flirtet und zum Psychiater geht. Eines Abends ruft ihn eine Stimme in den Garten. Schlafwandelnd begegnet Donnie einem riesigen Halloween-Hasen – und überlebt. Just in dieser Nacht kracht eine Flugzeugturbine in sein Zimmer. Der Hase nimmt Donnie mit in ein Paralleluniversum, wo er mit seiner Hilfe einen Rachefeldzug gegen seine bigotte Umwelt startet. Gleichzeitig muss der Filmheld versuchen, den Ursprung und das nahende Ende dieser vierten Dimension zu entschlüsseln.

„Donnie Darko“ hat alles, was ein Kultfilm braucht: ein großes Fragezeichen am Schluss, eine ganz eigene, überdrehte Filmästhetik, eine bis in die kleinsten Nebenrollen – Patrick Swayze! – überragende Besetzung und den Karrieredurchbruch für Hauptdarsteller Jake Gyllenhaal („Brokeback Mountain“). Und dazu die Entstehungsgeschichte: Es ist James Richard Kellys Erstlingswerk von 2001, frisch von der Filmhochschule weg für nur 4,5 Millionen Dollar gedreht, ein Flop im Kino. Erst die Mundpropaganda der Filmfans führte zum Erfolg und in die Liste der 100 besten Filme der Internet Movie Database.

„Donnie Darko“, Vox, 22 Uhr

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