Medien : Geht sie, geht sie nicht …

Bei „Bella Block“ kommt Abschiedsstimmung auf

Thilo Wydra

Gleich am Anfang, im Vorspann, werden in einer Parallelmontage die beiden Handlungsstränge des 21. „Bella- Block“-Films thematisiert. Da ist der Knabenchor des Johannes-Internats, der von Pastor Justus Bauerfeind bei einer Probe geleitet wird. Zum anderen sieht man Bella Block, wie sie mit Rückenschmerzen in die Röhre für eine Computertomographie geschoben wird. Bald darauf wird Bauerfeind im Pfarrhaus von seiner Haushälterin Frau Hambach tot aufgefunden, erdrosselt mit einem Rosenkranz. Die Haushälterin wäscht ihn, kleidet ihn neu ein, bettet ihn sanft, bevor sie die Kripo informiert. Bella Block wird hellhörig. Etwa ein Mord aus einseitiger Liebe heraus? „Liebe kann krank machen, wenn sie nicht erwidert wird“, sagt die Kommissarin.

Ein schwieriger „Bella-Block“-Film. Nicht ganz Fisch, nicht ganz Fleisch. Der 36-jährige Regisseur Hans Steinbichler hat „Mord unterm Kreuz“ inszeniert: irgendwie sperrig, irgendwie spröde, irgendwie holprig. Nach „Hierankl“ (2003) und dem in dieser Woche anlaufenden Kinofilm „Winterreise“ ist dies Steinbichlers erste Fernseharbeit überhaupt. War es im 20. „Bella-Block“ „Das Glück der anderen“ noch ihr Lebensgefährte Simon Abendroth (Rudolf Kowalski), der an Krebs erkrankte – was nun nahezu vollständig ausgeblendet ist– so sind es hier die starken Schmerzen Bella Blocks, die Simon beunruhigen. Die Tabletten, die Bella schluckt, sind bei Tumorschmerzen einzunehmen, liest der Freund auf dem Beipackzettel. Außerdem will er mit Bella zusammenziehen, ist auf Wohnungssuche. Bella Block verpasst die verabredeten Termine…

Es ist zu spüren, dass hier dramaturgisch gesucht wurde, was bei diesem „perfekten Paar“ (O-Ton Assistent Martensen) noch zu erzählen wäre (Drehbuch: Eva und Volker A. Zahn). Dass die beiden nun abwechselnd scheinbar schwer krank sind, tut der Glaubwürdigkeit, einem der hohen Qualitätsmerkmale der seit 1994 laufenden Ausnahme-Krimi-Reihe, Abbruch. Das ist schade und unnötig. Die nächsten beiden „Bella Blocks“, die Fälle 22 und 23, sind abgedreht: „Blackout“ unter der Regie von Rainer Kaufmann und „Weiße Nächte“ von Christian von Castelberg. Vielleicht ist es ja wirklich so, wie seit längerem gemutmaßt wird, dass Bella Block mit dem 25. Fall gehen wird. Das wäre ein Abschied mit einem weinenden Auge, aber schon auch mit einem lachenden, da „Bella Block“ bis dato so herausragend im deutschen Fernsehallerlei war. Und das darf man bitte nicht überstrapazieren.

„Bella Block - Mord unterm Kreuz“, ZDF, 20 Uhr 15

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