Medien : Gekaufte Propaganda

Pentagon zahlt für Artikel in irakischen Zeitungen

Christoph von Marschall

Das Weiße Haus hat die nächsten unangenehmen Schlagzeilen zu seiner Irakpolitik am Hals: bezahlte Propaganda. Nach einem Bericht der „Los Angeles Times“ lässt die in Washington ansässige Medienfirma „Lincoln Group“ im Auftrag des Pentagon positive Darstellungen der Entwicklung im Irak ins Arabische übersetzen und mit finanzieller Nachhilfe in irakische Zeitungen hieven. Diese Artikel würden in der Regel von US-Soldaten verfasst – oder das US-Militär steuere zumindest das Faktengerüst bei. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für die Streitkräfte John Warner, ein Republikaner, holte gestern Pentagonvertreter in die Sitzung, um Aufklärung über die Vorgänge zu verlangen. Die USA, sagte Warner, seien angetreten, um dem Irak Demokratie zu bringen; dazu gehörten unabhängige Medien; wenn die Berichte über bezahlte Propaganda stimmen, werde dieses Ziel unterminiert. Die US-Zeitungen kommentieren die mutmaßliche Praxis durchweg mit Empörung.

Auch das US-Außenministerium reagierte verstört. „Wir bemühen uns, Journalisten im Irak und der übrigen arabischen Welt in Fortbildungen mit den Arbeitsweisen und ethischen Prinzipien des westlichen Journalismus vertraut zu machen“, sagte Sean McCormack, Sprecher des Außenministeriums. Dieses Ziel dürfe man nicht gefährden.

Der US-Militärsprecher in Bagdad, General Rick Lynch verteidigte das Vorgehen. Die Medien seien zu einem zentralen Feld der Auseinandersetzung mit den Terroristen geworden. Al Qaida benutze sie ganz gezielt. Mit Attentaten und Entführungen werde Aufmerksamkeit geschaffen, die die Terroristen dann nutzten, um ihre Lügen zu verbreiten. Die Informationen, die die Armee in den umstrittenen Artikeln anbiete, entsprächen dagegen den Tatsachen, behauptete Lynch. „Wir lügen nicht. Wir wollen die Iraker nur mit den Fakten bekannt machen.“

Die ursprünglich Motivation, der Medienoffensive von Al Qaida etwas entgegenzusetzen, wird in den USA nicht kritisiert, weder von den Senatoren noch den Zeitungen. Der Hauptvorwurf lautet, man dürfe nicht verschweigen, woher Informationen stammen und ob es sich dabei um eine bezahlte PR-Aktion handele. Offenbar hatte die US-Medienkampagne im Irak diese Standards anfangs befolgt. Begonnen habe sie mit Fernseh- und Radioclips, aus denen ersichtlich war, dass die USA der Sponsor sind, berichtet die „New York Times“.

Doch dann glitt die Praxis ab – wobei unklar ist, von welcher Seite das ausging. Ein Korrespondent des (Bush-kritischen) „National Public Radio“ berichtete, im Irak sei Korruption weit verbreitet; irakische Journalisten hätten nach Bezahlung gefragt, damit sie US-freundliche Artikel abdrucken. Laut „Los Angeles Times“ hat das US-Militär eine Zeitung und einen Radiosender übernommen. Die „Washington Post“ berichtet über einen „Bagdad Press Club“, in dem man nicht etwa eine Mitgliedsgebühr bezahle, sondern 200 Dollar pro Monat erhalte für die Verbreitung positiver News über die US-Operationen.

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