Medien : Geld in die Zuschauer pumpen

RTL kurbelt die Produktion an: Neue Serien, neue Movies, neue Comedys

Markus Ehrenberg

Das ist auch mal originell: Eine große Kölner Senderfamilie, deren eine Tochter n-tv gerade den Umzug von Berlin an den Rhein plant, macht ihre Programm-Pressekonferenz – in Hamburg. Nein, keine Sorge, Medienmenschen in Köln, RTL plant nach dem angekündigten Wechsel an der Spitze nicht auch noch einen Umzug an die Elbe. Man bleibt ja in Köln, zieht dort demnächst in die Messehallen. Und das Wichtigste sind sowieso die Programme, mit denen RTL wieder die Nummer Eins in Deutschland werden will.

Neue Serien, neue News, starke Shows und das Beste aus Hollywood, so die Devise, die Noch-Geschäftsführer Gerhard Zeiler in Hamburg ausgab. Starke Worte. Wenn man sich das Programm fürs nächste Jahr aber genauer anschaut, stellt sich schon die Frage, ob das reicht, um der von Fußball und Olympia verwöhnten ARD die Marktführerschaft wieder abzujagen. Zwar schrieb RTL trotz Werbekrise im vergangenen Jahr schwarze Zahlen, doch Formate wie „Bachelor“, in dem viele Frauen um einen Junggesellen buhlten, oder „Star Duell“, dem Gesangswettbewerb von C-Prominenten, erreichten nicht mehr die hohen Quoten, wie sie der Privatsender in den vergangenen Jahre gewohnt war. Innovative Formate? Fehlanzeige. Der Wechsel an der RTL-Spitze von Zeiler zu Marc Conrad kommt nicht aus heiterem Himmel.

Womit angreifen? Zum Beispiel mit eigenproduzierten Serien, ein Markenzeichen des Senders. Da gibt’s wenig Nachholbedarf. Hier holt RTL die Zuschauer, die den Sender mit 17,7 Prozent Marktanteil in der werberelevanten Zielgruppe (14 bis 49 Jahre) unangefochten Marktführer sein lässt. Also nur kleine Schönheits-Korrekturen: „Beauty Queen“ ab Mitte September, eine Serie, in der es mit Carsten Spengemann und Jochen Horst tatsächlich um Schönheit und Skalpelle geht. Und wenn schon kein richtiger Fußball mehr, dann wenigstens FußballFiction, mit „Ballgefühl“, einer Serie über Spielerfrauen, Fußballluder und Klatschreporter. Dazu Bewährtes in Fortsetzung: „Alarm für Cobra 11“, „Abschnitt 40“ und „Doppelter Einsatz“.

Die zweite Baustelle sind die „TV-Movies“, ein von RTL in jüngster Zeit ziemlich vernachlässigtes Genre. Gaby Köster in der Krimikomödie „Die Bullenbraut“, Mariele Millowitsch als Kommissarin, die Romantik-Comedy „Was Sie schon immer über Singles wissen wollten“, das Road-Movie „Crazy Race 2“ und „Verschollen“, die erste RTL-Weekly von teamWorx. Klingt alles noch nicht nach dem ganz großem Kinoabend. Dafür dürfte Programmdirektor Frank Berners mit den Blockbuster-Premieren ein paar Tagessiege bei den Quoten einfahren: „Harry Potter“, „Ice Age“, „Ocean’s Eleven“, „About a Boy“, „Spy Game“, „James Bond – Stirb an einem anderen Tag“ und „Herr der Ringe“.

Der Comedy-Bereich. Trotz Engelke-Flop bei der Konkurrenz und allgemein schwächelnder Comedy-Quoten setzt RTL weiter auf die üblichen Verdächtigen. Dirk Bach, Hella von Sinnen, Bastian Pastewka, Heinrich Schafmeister, Jochen Busse als Außerirdischer. Die Dramedy „Meine schönsten Jahre“ soll zeigen, dass die Pubertät in einer Ostberliner Plattenbausiedlung in den 80er Jahren ganz schön komisch war. „Good Bye Lenin!“ ist offenbar auch bei den Programmplanern gut angekommen. Genauso wie die Kanak-Welle. „Halbmond über Neukirchen“ ist die erste deutsche Sitcom, in der eine türkische Familie im Mittelpunkt steht.

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