Medien : Geld, Tod, Macht und so weiter

Iris Ockenfels

Wer bisher noch nicht mitbekommen hat, dass die "Affäre Semmeling" ein Fernsehereignis des Jahres 2002 werden soll, der begreift es spätestens bei der Pressevorführung in Hamburg. Das ZDF hat geladen, und Dieter Wedel ist mit seinem gesamten Star-Ensemble angerückt, um die ersten zwei von insgesamt sechs Folgen der Serie vorzuführen. Mit 27 Millionen Mark Produktionskosten gehört der Mehrteiler über Politik- und Steueraffären zum Teuersten und Aufwändigsten, was es bisher im deutschen Fernsehen zu sehen gab. Gedreht wurde 15 Monate lang unter anderem auf Mallorca und Jamaika, in Dresden und Hamburg.

Mit der "Affäre Semmeling" lässt Wedel als Autor und Regisseur ab dem 2. Januar 2002 im ZDF zwei Figuren auf den Bildschirm zurückkehren, mit denen er in den 70er Jahren bekannt wurde: Das Ehepaar Trude und Bruno Semmeling. Damals wurde es vom Norddeutschen Rundfunk in zwei Mal drei Teilen und unter dem Titel "Die Semmelings" ins ARD-Programm gebracht. 1972 haderten die beiden in dem Film "Einmal im Leben" komisch und rührend mit den alptraumhaften Widrigkeiten des Eigenheimbaus; 1976 in "Alle Jahre wieder" dann mit einer missratenen Urlaubsreise.

In der ZDF-Fortsetzung nun wollen die Semmelings eigentlich nur Steuern sparen, was natürlich in einem Desaster endet. Wedel konnte die beiden Darsteller von damals, Antje Hagen und Fritz Lichtenhahn, erneut gewinnen. Und auch bei der Besetzung der übrigen Rollen hat er größtenteils auf alte Bekannte zurückgegriffen: Heinz Hoenig, Mario Adorf, Stefan Kurt, Maja Maranow oder Heiner Lauterbach standen schon für ihn vor der Kamera. Jenseits des gewohnten Wedel-Stabes sind unter anderem Dieter Pfaff, Heike Makatsch und Robert Atzorn zu sehen.

Das Ehepaar Semmeling wird zwar weiterhin vom Schicksal und von Bürokraten gepeinigt, steht aber nicht mehr im Vordergrund. Dort agiert ihr Sohn Siggi (Stefan Kurt), genannt "Semmel". Und es geht nicht nur um die Befindlichkeiten einer deutschen Kleinfamilie. Der Mehrteiler entfaltet auf verschiedenen Handlungsebenen eine Geschichte um Macht, Intrigen und Korruption in der Politik, die in den Jahren 1997 und 1998 spielt. Im Hamburger Rathaus, in dem rund 40 Tage gedreht wurde, laufen die Handlungsstränge zusammen. Hier wird "Semmel" Zeuge einer Parteispenden-Kungelei des Bürgermeisters (Robert Atzorn). Statt Schweigegeld bietet man "Semmel" einen Posten in Jamaika an; der Beginn seiner politischen Karriere - und seiner Korrumpierbarkeit. Wedel betont die Fiktion seiner Geschichte: "Ich wollte einfach zeigen, dass Taktieren zur Politik gehört. Das hätte auch in einer anderen Partei und einem anderen Bundesland sein können." Um möglichst authentisch zu erzählen, hat er neben Hamburger Politikern auch Bundeskanzler Gerhard Schröder befragt. Ob der viel preisgab, war nicht zu erfahren. Die ersten beiden Folgen zeigen jedenfalls: Wedel hat feinfühlig eine dichte Geschichte über große Themen gesponnen.

Einiges scheint jedoch klischeehaft geraten zu sein. Etwa die klassische Wedel-Rollenaufteilung, bei der die Männer über Macht, Geld und Tod philosophieren, während ihre attraktiven Frauen hauptsächlich die Aufgabe haben, ihnen den Rücken freizuhalten. Nur Heike Makatsch als selbstbewusste Grünenpolitikerin passt nicht in diese Schablone. Die Journalisten-Figur "Sudel-Hans" ist wohl vorsätzlich überzeichnet, die Jamaika-Szenen mit Ghettoblastern und ständigen Schießereien wirken dagegen unabsichtlich holzschnittartig. Dennoch: Wedels gekonnte Art, vielschichtig zu erzählen, und die überzeugenden Darsteller machen neugierig auf mehr.

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