Geldgeber in Katar ziehen Stecker : Al Dschasira schließt US-Ableger

Zu wenig Publikum, zu hohe Kosten: Die US-Dependance des panarabischen Fernsehsenders Al Dschasira stellt Sendebetrieb Ende April sein.

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Der panarabische Fernsehsender Al Dschasira schließt seine US-Dependance Ende April.
Der panarabische Fernsehsender Al Dschasira schließt seine US-Dependance Ende April.Foto: Reuters

Als Al Dschasira America (AJAM) 2013 an den Start ging, versprachen seine Macher seriöse Nachrichten rund um die Uhr. Das journalistische Team wurde mit anerkannten US-Journalisten besetzt, Büros in zwölf US-Städten eröffnet. Man wollte sich neben Kanälen wie MSNBC, CNN oder Fox etablieren. Aber der US-Ableger des arabischen Senders hat sein Publikum dafür nie gefunden. Nur 34 000 Zuschauer sahen im vergangenen Jahr das tägliche Abendprogramm, 24 000 waren es im Tagesschnitt. Nicht genug. Die Geldgeber in Katar haben angekündigt den Stecker zu ziehen, am 30. April ist Schluss mit Al Dschasira in den USA.

Die Eigentümer nannten wirtschaftliche Gründe für den Beschluss. Es sind dabei eine Menge Faktoren zusammengekommen, die zum Scheitern des Senders beigetragen haben. Der US-Medienmarkt ist zwar sehr groß, aber auch schon sehr dicht besetzt. Andere Kanäle haben ebenfalls Schwierigkeiten neben den marktbeherrschenden drei Großen. AJAM war bei allen Kabelanbietern ohnehin nur auf hinteren Programmplätzen zu finden, und nur in 64 Millionen Haushalten überhaupt erhältlich. Interne Probleme, Vorwürfe über Sexismus und Antisemitismus, kamen dazu. Im Mai vergangenen Jahres wurde der Geschäftsführer ausgewechselt.

Vor allem anderen aber hat es AJAM nie geschafft, seine genuine Rolle zu finden, geschweige denn zu beweisen. Für arabische Zuschauer war der Sender nie arabisch genug. Er sollte ja schließlich auch ein „all american“-Kanal sein. Für nicht-arabische Zuschauer hat es den Bedarf an einem weiteren Sender dagegen nie gegeben. Zumal seriöse, engagierte, auf Recherche angelegte Programme ohnehin auch in den USA nicht gerade Publikumsrenner sind. Dass die Verträge mit den Kabelfirmen, wie US-Medien berichten, dem Sender die Nutzung der TV-Inhalte auf der eigenen Internetpräsenz beschnitten, hat noch zusätzlich geschadet. Damit gelangten viele seiner Clips gar nicht erst nicht in die Zirkulation der Social Media. Ein Umstand, den sich kein Kanal leisten kann. Einen Sender, der mit anti-arabischen Vorurteilen zu kämpfen hat, unter all den Konditionen zu platzieren, war von Anfang an eine hochspekulative Investition. Barbara Junge

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