Gelehrte Kritik : Plagiatsexperte: Guttenberg-Film schadet der Wissenschaft

26.09.2012 12:02 Uhrvon
Nicht das Original, aber eine gut gemachte Fälschung: Kai Schumann als Karl-Theodor zu Guttenberg Foto: dpa
Nicht das Original, aber eine gut gemachte Fälschung: Kai Schumann als Karl-Theodor zu Guttenberg - Foto: dpa

Bei Sat1 wird "Der Minister" zur Satire. Für den Plagiatsexperten Volker Rieble aber steht fest: Der Fall wird ins Absurde gezogen.

Karl-Theodor zu Guttenberg hat ein denkwürdiges Kapitel deutscher Politikgeschichte geschrieben. Von der CSU, der „Bild“ und dem eigenen Ego hochgejazzt, stieg er auf bis ins Amt des Bundesverteidigungsministers. 2011 der tiefe Sturz: Guttenberg musste wegen seiner abgeschriebenen Doktorarbeit zurücktreten. Sat 1 macht daraus eine Komödie, „Der Minister“ wird sie heißen, Kai Schumann spielt Franz Ferdinand von Donnersberg.

Was lustig gedacht ist, finden nicht alle spaßig. Die Fernsehkomödie hat nach Meinung des Plagiatsexperten Volker Rieble „fatale Folgen“ für die Wissenschaft. „Das zieht den Fall endgültig ins Absurde“, sagte Rieble im Gespräch mit der „Zeit“.

„Man richtet alle Kritik auf Guttenberg und lenkt so von den weniger prominenten und vermeintlich harmloseren Abschreibern ab. Aber genau die gefährden den Ruf der Wissenschaft.“

Die Plagiatsaffäre um Karl-Theodor zu Guttenberg in Bildern:

Nach Meinung des Jura-Professors und Autors („Das Wissenschaftsplagiat“) hat der Skandal um Guttenbergs Dissertation nichts verbessert. „Plagiieren ist einfacher als je zuvor“, sagte Rieble. Wissenschaftler würden sich nun mehr Mühe geben, ihre Plagiate zu verschleiern. „Die richtig guten Betrüger kontrollieren ihre Arbeiten vor der Abgabe mit den Plagiatsprogrammen der Unis“, sagte er. Auch habe die Aufmerksamkeit für den wissenschaftlichen Betrug nachgelassen: „Ein paar Politiker wurden öffentlichkeitswirksam vorgeführt. Aber die Menschen sind inzwischen abgestumpft, die können es nicht mehr hören.“ Sat 1 will den „Minister“ Anfang 2013 ausstrahlen. jbh)

 

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Unser/e Leser/in blinder meint zum Artikel: Besuch im Reichstag bleibt umständlich:
Da von den aktuell 620 Abgeordneten bei den Sitzungen sowieso nur 20% anwesend sind, bleiben fast fünfhundert Sitze unbelegt. Hier könnte man doch die wartenden Besucher nach der obligatorischen Einlasskontrolle "zwischenparken".
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