Medien : Gema auf Internet-Streife

Schonfrist für zahlungsunwillige Webradios beendet

Kurt Sagatz

„Die Kosten steigen und steigen. Gema und GVL sind die beiden größten Faktoren, die den Webbetreibern Knüppel zwischen die Beine werfen“, begründet Radio-Soundlife.de den Spendenaufruf, den das Webradio im Internet an die lieben „RSL Zuhörer, Chatter & Freunde“ gerichtet hat. 110 Euro muss der kleine Websender monatlich zahlen, um seinem Slogan „Der beste Sound im Netz“ gerecht zu werden, rechnet Sendeleiter Jens Bramsche von rsl.fm vor. „Das klingt nicht viel, doch wenn man keine Einnahmen hat und das Geld aus der eigenen Tasche zahlen muss, tut das schon weh“, sagt der Radiomacher, dem es dabei nicht anders geht als den meisten Amateurstationen im Netz.

Immerhin, so wie RSL gehört die Mehrheit der Webradios zu den ehrlichen Kunden der Verwertungsgesellschaften. Bereits 800 Internet-Radiostationen haben dem Online-Lizenzshop der „Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte“ (Gema) einen Besuch abgestattet, sagt Mitarbeiterin Gaby Schilcher. Und das ist auch gut so, denn den schwarzen Schafen in der Webradio-Community droht nun Ungemach. Die Schonzeit für Gema-Verweigerer ist vorbei, jetzt hat die Verwertungsgesellschaft zum „Kampf gegen Videopiraterie“ aufgerufen, teilte die Gema am Donnerstag mit. Bei Internet-Streifengängen wurden 50 Urheberrechtsverletzer ausgemacht, die nun Post von den Gema-Anwälten erhalten. Den uneinsichtigen Webradios drohen Schadenersatzansprüche. Neben den Kosten für die Anwälte sollen sie quasi als Strafe den doppelten Gebührensatz zahlen. Aus heiterem Himmel kommen die Anwaltsbriefe übrigens nicht. Die ersten Aufforderungen zur Registrierung gingen im April mit dem Start des Lizenzshops raus, mindestens ein weiterer Warnschuss folgte.

Ihre Internetstreifen will die Gema auch in Zukunft fortsetzen. „Im Einzelhandel oder in Gaststätten und Fitnessstudios haben wir Kundenberater, die über die Lizenzzahlungen aufklären und informieren, bei den Webradios waren wir selbst unterwegs und werden diese Aktion auch fortsetzen“, sagt die Gema-Mitarbeiterin. Bei den Webradios überwiegt die Einsicht: „Die Gema-Abgaben tun zwar weh, aber wir sehen ein, dass wir an die Künstler zahlen müssen“, sagt RSL-Radiomacher Bramsche.

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