Gema gegen Youtube : Yolanda bleibt cool

Teilerfolg für Youtube: Die Plattform muss die "illegal genutzten" Musikvideos nicht sofort löschen, entscheidet das Landgericht Hamburg gegen die Gema.

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10,5 Millionen Abrufe bei Youtube: Das Video von Yolanda Be Cool and Dcup - We No Speak Americano.
10,5 Millionen Abrufe bei Youtube: Das Video von Yolanda Be Cool and Dcup - We No Speak Americano.Screenshot: Tsp

Im Dauerstreit zwischen dem Musikrechte-Verwerter Gema und der Google-Tochter Youtube hat das Videoportal am Freitag einen Teilerfolg verbucht. Das Landgericht Hamburg gab einem Antrag der Gema auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gegen Youtube nicht statt. Die Rechteverwerter wollten die Plattform dazu verpflichten, 75 „illegal genutzte“ Musikvideos zu löschen beziehungsweise den Abruf aus Deutschland zu sperren. Die Zivilkammer konnte die Eilbedingung des Antrags jedoch nicht erkennen. Das Gericht bezweifelte, dass die Gema erst kurz vor der Antragstellung wusste, dass die Videos der von ihnen vertretenen Künstler bei YouTube abrufbar sind.
Seit mehr als einem Jahr streiten Gema und Youtube um einen Verwertungsvertrag. Ein vorläufiger Vertrag war Ende März 2009 ausgelaufen. Worüber Gema und Youtube zuletzt verhandelt hatten, ist nicht bekannt. Ein Cent pro Abruf hatte dem Vernehmen nach die Gema gefordert. Youtube hatte gegenüber dem Tagesspiegel auf eine Lösung nach britischem Vorbild gedrängt. Dort wurden die Songs mit 0,22 Cent abgerechnet.
Ein Blick auf die aktuellen Charthits zeigt die Brisanz des Themas: An der Spitze der offiziellen Single-Hitliste steht derzeit Yolanda Be Cool & Dcup mit „We No Speak Americano“. Ihr Video erreicht bei Youtube 10,5 Millionen Abrufe. Auf Platz zwei folgt Hurts mit „Wonderful Life“ mit 4,5 Millionen Abrufen, auf Nr. 3 steht Shakira mit „Waka Waka“ (4,2 Millionen Abrufe). So weitergerechnet mit Lady Gaga („Alejandro“) und Edward Maya („Stereo Love“) weitergerechnet kommen 31,3 Millionen Youtube-Abrufe zusammen, für die die Google-Tochter Youtube zumindest nach dem Willen des deutschen Musikrechteverwertes Gema ein Cent pro Abruf – also über 300 000 Euro – an Tantiemen einziehen möchte. Wohlgemerkt: Nur für die derzeitigen Top 5 der deutschen Singelcharts.
Mit dem Urteil hat das Gericht allerdings nicht entschieden, ob der Gema generell ein urheberrechtlicher Unterlassungsanspruch zusteht. Dieser Anspruch kann jetzt mit einem Klageverfahren durchgesetzt werden. Kurt Sagatz

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